Die politische Lage in Spanien ist nach Berichten unseres Barcelonaer Korrespondenten weiterhin äußerst gespannt, wenn sie nach außen hin auch den Anschein einer gewissen Ruhe wahrt.[1] In Madrid wurden im Zusammenhang mit dem jüngsten Komplott gegen die Regierung hundertsiebzig Verhaftungen vorgenommen. Das Militärgefängnis ist gegenwärtig überfüllt.[1]
Bemerkenswert ist, dass General Miguel Primo de Rivera sich bei der Durchführung der Verhaftungen und Überwachungen ausschließlich auf die Polizei stützt. Dieser Umstand gilt nach Einschätzung unseres Korrespondenten als sicheres Zeichen dafür, dass der Diktator dem Heer weniger als je zuvor vertrauen kann. Seine Herrschaft trage damit mehr den Charakter einer Polizeidiktatur als einer militärischen.[1]
In der Frage des Komplotts war behauptet worden, General Weyler habe das betreffende Manifest nicht unterzeichnet. Diese Darstellung ist jedoch unrichtig: General Weyler erklärt selbst, das Dokument sehr wohl unterzeichnet zu haben, und kündigt zugleich an, die ihm auferlegte Geldstrafe von 100.000 Pesetas nicht zu entrichten.[1]
Einen weiteren Einblick in das Klima der Repression bietet der Fall des Madrider Ateneo. Der Vorstand dieser angesehenen Kulturvereinigung, bestehend aus sechs Schriftstellern und Künstlern, wurde ins Gefängnis geführt, nachdem die Mitglieder sich geweigert hatten, den von der Regierung eingesetzten neuen Vorstand als rechtmäßigen Nachfolger anzuerkennen.[1] Infolge dieses Vorgehens traten über 300 Mitglieder aus dem Ateneo aus, darunter nach Angaben der Neuen Freien Presse vor allem hervorragende Angehörige der Madrider Intelligenz.[1]