Der britische Bergarbeiterstreik, der seit Wochen die Kohlenversorgung des Landes lähmt, zeigt keinerlei Anzeichen einer baldigen Beilegung. Arthur Cook, Sekretär der Bergarbeitervereinigung, erklärte in einer Rede in Nottingham, es bestehe keine Aussicht auf eine Beendigung des Kohlenstreiks.[1] Zugleich kündigte er an, in der nächsten oder übernächsten Woche eine Konferenz aller Bezirke einberufen zu wollen.[1]

Mit einer ernsten Warnung wandte Cook sich an die Grubenbesitzer: Die für die Sicherheit der Bergwerke zuständigen Arbeiter würden unter den gegenwärtigen Bedingungen ihre Tätigkeit nicht fortsetzen. Diese Arbeiten sollten nur dann weitergeführt werden, wenn die Löhne vom April beibehalten, die bisherige Arbeitszeit nicht verlängert und die Aufgaben nicht auf Beamte übertragen würden.[1] Diese Ankündigung verschärft den Konflikt erheblich, da eine Einstellung der Sicherheitsarbeiten die Gruben selbst in Gefahr bringen würde.

Daneben griff Cook in seiner Rede auch innergewerkschaftliche Spannungen auf. Er forderte die Absetzung von Hodges, dem Sekretär des Internationalen Bergarbeiterverbandes, da dieser die Interessen der Bergarbeiterinternationale geschädigt habe.[1][2] Die Delegierten der Eisenbahner hätten überdies beschlossen, ein Verbot der Beförderung ausländischer Kohle nicht anzunehmen — eine Entscheidung, die Cook scharf missbilligte.[1]

Eine internationale Dimension gewann der Streik durch das Berliner Treffen vom 7. Juli, bei dem Cook und Richardson als Vertreter des britischen Bergarbeiterverbandes mit den russischen Gewerkschaftern Schwarz und Akulow zusammenkamen. Laut dem Westfälischen Merkur berichtete Cook auf dieser Zusammenkunft über die angespannte Finanzlage der englischen Bergarbeiter, während Richardson die Darstellung mit Zahlenmaterial ergänzte.[3] Der russische Vertreter Schwarz schilderte sodann die bisherigen Unterstützungsmaßnahmen der russischen Bergarbeiter. Die Konferenz beschloss einstimmig, einen Aufruf an die Arbeiter aller Länder zur finanziellen und moralischen Unterstützung der englischen Bergleute zu veröffentlichen.[3] Ferner wurde es als dringend notwendig bezeichnet, den englisch-russischen Einigungsausschuss einzuberufen und einen gemeinsamen Ausschuss zu bilden, der den Beitritt der russischen Bergarbeiterunion zur Bergarbeiterinternationale vorantreiben solle.[3]

Auch die Frage einer möglichen Verhaftung Cooks beschäftigt die Öffentlichkeit. Der Sunday Worker, das Organ der Labour Party, berichtete laut dem Pariser Figaro, der Innenminister habe zwar im Unterhaus jede Verhaftungsabsicht bestritten, Cook stehe jedoch unter besonderer behördlicher Beobachtung; besonnere Kabinettsmitglieder hätten den Minister bislang von diesem Schritt abgehalten.[4]

Kritik an der Haltung der Bergarbeiterführung kommt auch aus dem Ausland. Die Madrider Zeitung El Sol gibt die Einschätzung des britischen Generalrats wieder, wonach die Politik der Bergarbeiterführer als reine Verneinung anzusehen sei: Bleibe die staatliche Subvention für den Bergbau aus, müssten rund 300.000 Bergleute aufgeben, da verlustbringende Gruben nicht allein um der Lohnfortzahlung willen weiterarbeiten könnten.[5]