Am Quai d'Orsay haben am gestrigen Samstag die Bevollmächtigten Frankreichs und Spaniens das Abkommen über die Befriedung Marokkos und die Einrichtung eines nachbarschaftlichen Regimes zwischen beiden Zonen paraphiert.[1] Für Frankreich unterzeichneten Marschall Pétain und der Generalsekretär im Außenministerium, Philippe Berthelot; für Spanien der spanische Botschafter in Paris, Quiñones de León, und General Jordana, der Leiter der Marokkoangelegenheiten im spanischen Außenministerium.[1][2]

Die förmliche Unterzeichnung des Abkommens ist für den 14. Juli vorgesehen und soll durch Außenminister Briand und den spanischen Ministerpräsidenten General Primo de Rivera vollzogen werden.[3] Der Pariser Temps weist darauf hin, dass auch der Sultan von Marokko, Mulai Jussef, zu diesem Anlass als Gast Frankreichs erscheinen und der Militärparade des Nationalfeiertags beiwohnen wird. Dieser Umstand soll der Feier den Charakter eines Dankes an die in Marokko eingesetzten Truppen verleihen.[3]

Das Abkommen tritt in Kraft, sobald es von beiden Regierungen gebilligt worden ist. Erst dann soll ein ausführliches Kommuniqué über seinen Inhalt veröffentlicht werden.[1] Bereits bekannt ist jedoch, dass das Regelwerk den Grenzverkehr zwischen der französischen und der spanischen Zone sowie die Überwachung der Land- und Seegrenzen zum Gegenstand hat.[1]

Aus dem Bericht des eigenen Pariser Korrespondenten der Kölnischen Zeitung gehen weitere Einzelheiten hervor, die über den amtlichen Wortlaut hinausgehen. Demnach sollen diejenigen Rifstämme, deren Siedlungsgebiet beidseitig der Zonengrenze liegt, einer einheitlichen Verwaltungsbehörde unterstellt werden. Als Beispiel wird der Stamm der Beni Serual genannt, der künftig ganz der französischen Verwaltung zugeordnet werden soll, obwohl Teile seines Gebiets bislang zur spanischen Zone gehörten.[4] Auf eine förmliche Änderung der Grenzziehung wurde dabei verzichtet, um eine Einmischung dritter Staaten zu vermeiden.[4] Daneben soll für beide Parteien ein Verfolgungsrecht in der Grenzzone eingeführt werden, damit aufrührerische Stämme auch jenseits der Grenze wirksam verfolgt werden können.[4]

Ausgespart blieb in dem Abkommen die Frage des künftigen Aufenthaltsorts des gefangenen Rifkabylenführers Abd el Krim. Die Agentur Havas verlautbarte jedoch, dass die Verhandlungen der beiden Delegationen auch in dieser Frage zu vollständiger Übereinstimmung geführt hätten. Es gelte als so gut wie sicher, dass Abd el Krim nach Madagaskar gebracht werde.[1][2]

Der Vorwärts beschränkt sich auf die amtliche Feststellung, dass das franko-spanische Marokkoabkommen von den Delegierten beider Regierungen paraphiert worden sei.[5] Die Kölnische Zeitung hingegen wertet die Einigung als praktische Fortführung der gemeinsamen Militäroperationen des vergangenen Jahres, durch die der Rif-Aufstand endgültig niedergeworfen wurde.