Der militärische Aufstand in Aserbeidschan ist anscheinend niedergeschlagen worden. Die Zahl der Rebellen betrug 500 Mann, von denen 200 hingerichtet wurden, während der Rest über die türkische Grenze geflohen ist.[1] Die Lage in Khorasan ist jedoch weit ernster. Der Aufstand dort richtet sich dem Vernehmen nach gegen den Befehlshaber der Ostarmee. Ihm wird Unterschlagung von Armeegeldern vorgeworfen.[1] Die meuternden Garnisonen von Dujnurd und anderen Grenzstationen sollen bis Kuchan vorgedrungen sein und auf Masched zumarschieren. Die Garnison von Masched, an deren Loyalität Zweifel bestehen, wurde durch zuverlässige Truppen aus Teheran verstärkt.[1] Nach einer Meldung von Reuters wurden zudem zwei Regimenter nach Masched entsandt.[2]
Nach Angaben der Kölnischen Zeitung haben 5.000 Turkmenen, nachdem man den Aufstand bereits für niedergeschlagen hielt, die Städte Budschnurd und Schirwan in der Nähe der russisch-persischen Grenze überrumpelt und besetzt. Die persischen Garnisonen dieser Städte schlossen sich den Aufständischen an.[3] In Teheran wurden alle Privatautomobile beschlagnahmt, um Truppentransporte zu ermöglichen. Die Regierung erklärt, sie sei in der Lage, den Aufstand niederzuschlagen, räumt jedoch ein, dass Soldrückstände in den Garnisonen zu erheblicher Unruhe geführt haben.[3]
Als Hintergründe des Aufstands verweist die Kölnische Zeitung auf sowjetrussische Einflussnahme. Seit Schah Risa Khan Pahlavi (Reza Shah Pahlavi) seine Politik endgültig in Richtung England ausgerichtet hat, sieht Sowjetrussland seine Hoffnung, in Persien ein Werkzeug zur Unterhöhlung des britischen Einflusses im Nahen Osten zu finden, in weite Ferne gerückt. Die nomadisierenden Turkmenen an der Südostküste des Kaspischen Meeres — besonders die Jomud-Turkmenen als Anhänger der früheren Hadscharendynastie — gelten als Todfeinde der neuen Pahlavi-Dynastie.[3] Hinzu kommt, dass der Schah sich durch radikale Sparmaßnahmen viele Feinde unter den Monarchisten und im Offizierskorps geschaffen hat.[3]
Eine strenge örtliche Zensur macht es schwierig, authentische Nachrichten zu erhalten; selbst die Teheraner Regierung scheint über die tatsächliche Lage nicht vollständig unterrichtet zu sein.[1] Die Meldung, dass sich die Turkmenen dem Aufstand in Aserbeidschan angeschlossen hätten, ist bisher nicht bestätigt.[1] Einige unzufriedene Turkmenen sollen sich jedoch dem Aufstand in Khorasan angeschlossen haben.[2]
Inmitten dieser Unruhen eröffnete der Schah die 6. Session des Parlaments. In seiner Thronrede erklärte er, die Beziehungen Persiens zu den auswärtigen Mächten seien freundschaftlicher Natur; ein Vertrag mit der Türkei sei geschlossen worden, und mit Polen werde ein Handelsabkommen angestrebt.[1][4]