In der Provinzhauptstadt Tschangscha (Changsha) haben sich die Kräfteverhältnisse abermals verschoben. Nach Meldungen der China Mail, die sich auf eine Hankauer Depesche vom 11. dieses Monats stützt, hat General Tang Sengtschi (Tang Shengzhi) nach kräftiger Verstärkung aus dem Süden am Donnerstag einen Vorstoß auf Tschangscha eingeleitet.[1] Bereits am Samstagmorgen hatte der Großteil der Truppen seines Gegners, General Jeh Kaischin (Ye Kaixin), die Stadt geräumt. Jeh selbst entzog sich dem Zugriff der vorrückenden Verbände, indem er mit einem Transportschiff nach Sindschu (Xinzhou) floh.[1]

Nach weiteren Berichten der China Mail sind Tangs Truppen inzwischen vollständig in Tschangscha eingerückt, und Tang selbst traf am Nachmittag des 11. Juli in der Stadt ein. Aus zuverlässigen Quellen verlautete, dass es weder zu Plünderungen noch zu Unruhen irgendwelcher Art gekommen sei.[1]

Ein häßliches Nachspiel lieferte jedoch Jehs Nachhut. Einer Pekinger Depesche zufolge konzentrierten sich rund tausend Soldaten des Rückzugsheeres am Bahnhof von Tschangscha und forderten von der örtlichen Handelskammer die Zahlung von zweihunderttausend Dollar. Als Tangs Vorhut erschien, traten die Soldaten den Rückzug an und feuerten dabei wahllos in die Stadt, sodass Gewehrkugeln im Stadtinneren einschlugen.[1]

Das Hamburger Echo berichtet, dass Tang bei seinem Vorrücken tatkräftige Unterstützung durch gut ausgerüstete Truppen aus Kanton erhalten hat, denen russische Berater beigegeben waren. Diese Hilfe habe ihm erst ermöglicht, Jeh Kaischin, den Armeeführer Wu Peifus (Wu Peifu), aus der Provinzhauptstadt zu vertreiben.[2] Um ein weiteres Vorrücken der südlichen Verbände in Richtung Hankau zu verhindern, seien nun Gegenmaßnahmen im Gange.[2]