Am gestrigen Mittag ist es im Städtischen Arbeitsnachweis in der Gormannstraße zu schweren Ausschreitungen zwischen Arbeitslosen und der Schutzpolizei gekommen, bei denen mehrere Personen erheblich verletzt wurden.[1][2]

Den Anlass zu den Unruhen bot nach Angaben des Harburger Tageblatts die drückende Hitze und der starke Andrang in der Fachabteilung für Schneiderinnen: Eine Arbeiterin war infolge der Enge bewusstlos zu Boden gesunken. Da auch die übrigen Abteilungen von Arbeitsuchenden stark besetzt waren, hatte sich auf dem Hof des Gebäudes eine größere Menschenmenge versammelt, darunter vorwiegend männliche Jugendliche.[2] Als eine regelmäßig vorüberziehende Polizeistreife Verstärkung anforderte und die Lage sich zunächst zu beruhigen schien, zogen die Beamten wieder ab. Neue Ohnmachtsanfälle, hauptsächlich unter den wartenden Frauen, entfachten die Erregung jedoch aufs Neue.[2]

Nach Darstellung des Westfälischen Merkur war es zuvor bereits zu Streitigkeiten zwischen einer Gruppe von Arbeitsuchenden und einem Beamten gekommen. Daraufhin wurde im Hof des Arbeitsnachweises eine Demonstration veranstaltet, bei der aufreizende Reden gehalten worden sein sollen.[1] Als der Reviervorstand eintraf, um den Hof zu räumen, wurde er von zahlreichen Jugendlichen angegriffen und erheblich verletzt.[2] Die Menge riss einem Hauptmann der Schutzpolizei den Säbel aus der Hand und warf ihn zu Boden, wo er mit Füßen getreten wurde.[1][2] Zugleich zertrümmerten Arbeitsuchende eine größere Anzahl von Fenstern und stürmten die Fachabteilung der Schneiderinnen.[2]

Daraufhin rückte das Überfallkommando an, und die Schutzpolizei ging mit Gummiknüppeln gegen die Menge vor.[1][2] Es gelang den Beamten schließlich, die Ordnung wiederherzustellen. Fünf Personen wurden verhaftet.[1] Auf den umliegenden Rettungsstellen sind dem Harburger Tageblatt zufolge bisher zehn Verletzte eingeliefert worden; die Sanitätskolonnen brachten mehrere Personen von der Unglücksstelle fort.[1][2] Die Polizei hat umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen, sodass weitere Ruhestörungen nach Lage der Dinge nicht zu befürchten sind.[1]