Die amerikanischen Flieger Evans und Wells haben gestern Abend den letzten Abschnitt ihres Weltumrundungsfluges in Angriff genommen und stehen kurz vor dem Erreichen eines neuen Weltrekords. Laut einer Meldung des Berliner Tageblatts trafen die beiden Piloten gestern Abend um 9 Uhr 30 Minuten in Chicago und um 11 Uhr 30 Minuten in Cleveland ein.[1] Heute früh werden sie auf dem Militärflugfeld Mitchell Field bei New York erwartet. Damit fände die Erdumrundung nach einer Reisedauer von 28 Tagen und vier Stunden ihren Abschluss.[1]

Die Washington Post berichtet auf Grundlage einer Meldung aus Rantoul im Staate Illinois, dass die beiden Flieger am gestrigen Abend zunächst auf dem Chanute-Flugfeld zwischen Chicago und Cleveland zur Zwischenlandung gezwungen waren, da ihre Maschinen nicht für den Nachtflug ausgerüstet sind.[2] Die ursprünglich vorgesehene Route führte nach Dayton; erst auf dem Chanute-Flugfeld erhielten Evans und Wells die Anweisung, stattdessen Cleveland anzufliegen.[2] Wells erklärte gegenüber Pressevertretern, beide Piloten beabsichtigten, bei Tagesanbruch ohne weitere Zwischenlandung nach New York durchzufliegen und die amerikanische Metropole noch vor Mittag zu erreichen.[2]

Sollte ihnen dies gelingen, hätten Evans und Wells die Erdumrundung in etwa 28 Tagen und zehn Stunden bewältigt — eine Leistung, die den bisherigen Weltrekord um nahezu sieben Tage unterbieten würde.[2] Dieser Rekord von 35 Tagen, 21 Minuten und 35 Sekunden stammte aus dem Jahr 1913 und war von John Henry Mears aufgestellt worden, der seinerzeit allerdings noch ohne den Einsatz von Flugzeugen auskommen musste.[2]

Das amerikanische Blatt erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Geschichte der Weltumrundung eine lange Ahnenreihe kühner Reisender kennt — von Magellan und Francis Drake über Jules Vernes Romanfigur bis hin zu Nellie Bly, die Ende des 19. Jahrhunderts als Journalistin die Erde in achtzig Tagen zu umrunden suchte.[2] Evans und Wells stehen nun am Ende dieser Tradition und setzen mit ihrem Flug einen neuen Maßstab, an dem sich künftige Unternehmungen messen müssen.[2]