Das Militärtribunal in Smyrna hat gestern Nachmittag sein Urteil in dem Verschwörerprozess gegen die Attentäter auf den türkischen Staatspräsidenten Mustafa Kemal Pascha verkündet. Laut dem Korrespondenten der Neuen Freien Presse in Konstantinopel wurden dreizehn anwesende Angeklagte zum Tode verurteilt; zwei weitere Urteile ergingen in Abwesenheit, sodass die Gesamtzahl der Todesstrafen fünfzehn beträgt.[1] Zwölf Personen wurden freigesprochen, die meisten von ihnen Mitglieder der parlamentarischen Opposition.[2][1]

Unter den zum Tode Verurteilten befinden sich nach Angaben der Neuen Freien Presse als Hauptanstifter der ehemalige jungtürkische Minister Schukri und der frühere Polizeichef Djambulat.[1] Fünf oppositionelle Abgeordnete wurden als Mitwisser verurteilt, sechs weitere Männer als gedungene Täter.[3][1] In Abwesenheit erging das Todesurteil gegen den bekannten Jungtürkenführer Kemal, der im Weltkrieg die türkischen Einkaufsgesellschaften organisiert hatte, sowie gegen den früheren Generalgouverneur Abdulkadir.[1]

Die dreizehn in Smyrna anwesenden Verurteilten wurden, der Washington Post zufolge, noch in der Nacht zum Mittwoch an der Hafenpromenade der Stadt gehenkt — an mehreren voneinander getrennten Punkten der Uferfront, die einst Tausenden von Flüchtlingen während des großen Stadtbrandes als Zufluchtsort gedient hatte.[4] In abergläubischen Kreisen der Stadt, so heißt es aus Smyrna, habe man darin eine unheilvolle Fügung gesehen, dass dreizehn Todesurteile ausgerechnet am dreizehnten Tage des Monats gesprochen wurden.[4]

Der Prozess richtete sich gegen Verschwörer, die vor etwa einem Monat bei der Ankunft Kemal Paschas in Smyrna ein Attentat auf ihn geplant haben sollen. Für die meisten der angeklagten Oppositionspolitiker endete er mit einem Freispruch.[1] Das Verfahren gegen den im Ausland weilenden Oppositionsführer Rauf Beh, den einstigen Kommandanten des Kreuzers Hamidieh im Balkankrieg, wurde indes aus dem Smyrnaer Prozess ausgeschieden und nach Angora verwiesen.[1]

In der türkischen Hauptstadt Angora soll in der kommenden Woche eine weitere Verhandlung gegen hochrangige Jungtürkenführer beginnen, darunter gegen den früheren Finanzminister Djavid.[1] Die Urteile von Smyrna markieren damit einen ersten, aufsehenerregenden Abschluss einer ganzen Reihe von Verfahren, mit denen die Regierung Kemal Paschas nach dem gescheiterten Attentat gegen die politische Opposition vorgeht.