Das französische Nationalfest ist am Mittwoch bei prächtigem Wetter mit der üblichen Truppenschau auf den Champs-Élysées begangen worden. Punkt neun Uhr bewegte sich die Präsidentenkutsche, von Kürassieren flankiert, langsam die Avenue hinauf, und überall brach die Menge in Ovationen aus.[1] In dem Wagen befanden sich Staatspräsident Doumergue und der Sultan von Marokko. Ministerpräsident Briand sowie die Präsidenten der Kammern, Herriot und de Selves, hatten sich bereits an der für die offiziellen Persönlichkeiten vorgesehenen Seite des Arc de Triomphe aufgestellt.[1][2] Der spanische Diktator General Primo de Rivera nahm ebenfalls an der Ehrenloge teil.[3]
Der Figaro schildert eindringlich das Bild am Triumphbogen: Auf der rechten Seite hatten sich sämtliche islamischen Delegationen versammelt, Kaids und Paschas in roten Burnussen, die wie Mohnblumen im Feld der weißen Gewänder wirkten.[2] Im Mittelpunkt der Szene lag das Grab des Unbekannten Soldaten, von jeglichem Blumenschmuck befreit bis auf die Palme und den Kranz, den der spanische General niedergelegt hatte.[2] Der Temps verzeichnete besondere Begeisterung beim Vorbeimarsch der Truppen und namentlich beim Erscheinen des Generals Gouraud, des Militärgouverneurs von Paris und Siegers von Reims, dem der Jubel der Menge galt.[1]
Einen deutlichen Störversuch unternahmen die Kommunisten. Bereits vom Rond-Point der Champs-Élysées ertönten die ersten Trillerpfeifen, kaum dass die Präsidentenkutsche die Revue begann.[2] Laut Figaro hatten die Manifestanten zweiblättrige bedruckte Flugzettel unter dem Titel Pour la liberté in die Menge geworfen; sie enthielten eine Invektive gegen General Primo de Rivera.[2] Der Temps berichtet, dass diese Pfiffe von den Blechbläsern, die gerade die Marseillaise spielten, und von den Zurufen der Menge übertönt wurden.[1]
Nach Angaben des Vorwärts hatten die Kommunisten entlang des gesamten Weges, den der Zug der offiziellen Persönlichkeiten vom Élysée bis zum Triumphbogen passierte, Posten aufgestellt und überschütteten den Zug bei der Durchfahrt mit Johlen und schrillenden Pfiffen.[3] Es kam zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen Manifestanten, Zuschauern und der Polizei, und über hundert Verhaftungen wurden vorgenommen.[3] Dem Vorwärts zufolge befinden sich unter den Verhafteten mehrere Spanier, die für Primo de Rivera beleidigende Flugzettel verteilt hatten.[3] Primo de Rivera selbst war es gelungen, am Triumphbogen unbemerkt von der Menge anzukommen.[4] Das Harburger Tageblatt stellt fest, dass sich die kommunistischen Demonstrationen in Wirklichkeit weniger gegen den spanischen Gast als gegen den Sultan von Marokko richteten.[4]
Der Temps zieht aus dem Tag den Schluss, dass der Enthusiasmus der Bevölkerung in schroffstem Gegensatz zur Haltung der Kommunisten gestanden habe, deren Pfiffe von der Menge jeweils mit Beifallsstürmen übertönt worden seien.[1] Die Deutsche Allgemeine Zeitung bemerkt, die Volksstimmung der Pariser Massen habe an diesem Festtag nicht das mindeste von den wirtschaftlichen Sorgen des Landes verraten.[5] Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete im Élysée ein großes diplomatisches Frühstück unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten.[3] Zu Ehren Primo de Riveras gab außerdem der Kriegsminister ein gesondertes Frühstück, zu dem laut dem Harburger Tageblatt so viele zivile und militärische Persönlichkeiten geladen waren, wie es sonst nur bei der Anwesenheit gekrönter Häupter üblich ist.[4]