Die Verhandlungen über einen Nichtangriffspakt zwischen Finnland und der Sowjetunion treten in eine entscheidende Phase. Wie das Helsingin Sanomat berichtet, überreichte der hiesige Sowjetvertreter Lorenz am 12. dieses Monats dem finnischen Außenminister eine detaillierte Note, welche die formelle Antwort Moskaus auf das finnische Memorandum vom 5. Mai darstellt.[1] Dieses weitreichende Schriftstück bezweckt die Anbahnung eines umfassenden Sicherheitsvertrags zwischen beiden Staaten. Damit sollen die diplomatischen Beziehungen im Norden festigen werden.[1]

Aus der Note geht hervor, dass das Mitglied des Kollegiums des Außenkommissariats, B. S. Stomonjakov, nach eingehendem Studium der finnischen Vorschläge bereits am 19. und 23. Juni vertrauliche Vorbesprechungen mit dem finnischen Gesandten in Moskau geführt hat.[1][2] Ziel dieser ersten Kontaktaufnahme war es, die Standpunkte beider Seiten zu klären und einander anzunähern.[1] Aufgrund dieser Unterredungen erklärt sich die Sowjetregierung nun ausdrücklich bereit, unverzüglich in mündliche Verhandlungen über den Abschluss des angestrebten Sicherheitsvertrags einzutreten.[2] Die Zusammenkünfte sollen den Gegenstand des künftigen Paktes allseitig umreißen. So kann ein unterschriftsreifer Entwurf ausgearbeitet werden.[2]

Ein heikler Punkt der kommenden Gespräche ist die Behandlung der Ålandinseln. Dem Hufvudstadsbladet zufolge hat Moskau die Frage aufgeworfen, wie der finnische Vorschlag in dieser Angelegenheit konkret zu verstehen ist.[2] Die Räteregierung hat das internationale Abkommen vom 20. Oktober 1921 über die Befestigungslosigkeit der Inselgruppe bekanntlich nie anerkannt und in der Vergangenheit stets Protest dagegen erhoben.[1][2] Dennoch zeigt sich Moskau nun bereit, die Ålandfrage in ihrem vollen Umfang mit der finnischen Regierung zu regeln.[1] Eine Bedingung für den Abschluss eines solchen Sondervertrags ist jedoch, dass diese Beratungen als wesentlicher und untrennbarer Bestandteil der allgemeinen Verhandlungen über den Sicherheitsvertrag geführt werden.[1][2] Das in Aussicht genommene Abkommen über Åland soll daher gemeinsam mit dem Hauptvertrag als dessen Anlage unterzeichnet werden.[2]

Ferner hat die Sowjetregierung unter denselben Prämissen den finnischen Vorschlag gebilligt, ein gesondertes Übereinkommen zur friedlichen Beilegung von zwischenstaatlichen Streitigkeiten zu schließen.[1][2] Der sowjetische Gesandte in Helsingfors schloss seine Ausführungen mit der Hoffnung seiner Regierung, dass die nun beginnenden mündlichen Verhandlungen zu einer raschen Einigung führen mögen.[1] Ein solcher Pakt werde ein neues, solides Fundament für die gutnachbarlichen Beziehungen und die friedliche Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und der Republik Finnland schaffen.[1]