Der grausame Mord an Don R. Mellett, dem streitbaren Herausgeber der Canton Daily News, hält die amerikanische Öffentlichkeit in Atem. Wie die Washington Post berichtet, wurde der junge Zeitungsverleger in den frühen Morgenstunden des vergangenen Freitags hinterrücks erschossen.[1] Der Täter hatte hinter einem Rosenbusch nahe der Garage des Opfers gelauert und Mellett durch einen gezielten Schuss in den Kopf getötet.[1] Nach Angaben der Washington Times fanden die schlichten Beisetzungsfeierlichkeiten am heutigen Montag unter der Leitung von Reverend Alexander auf dem Crown-Hill-Friedhof in Indianapolis statt.[2]
Eine der vielversprechendsten Spuren in diesem aufsehenerregenden Kriminalfall führt zu einem mysteriösen Telefonanruf. Bereits eine Woche vor der Tatnacht, am späten Sonntagabend, hatte laut der Washington Post das Telefon im Hause Mellett geklingelt.[1] Der Verleger nahm den Hörer selbst ab und erhielt eine unmissverständliche Warnung.[1] Eine klare Stimme ohne Akzent habe ihm geraten, sich vorzusehen, da drei Männer im Schatten seiner Garage lauerten, um ihn umzubringen.[1] Auf Melletts Frage nach der Identität des Anrufers antwortete der Unbekannte lediglich, er sei ein Feind seiner Feinde.[1] Der federführende Chefermittler Ora C. Slater aus Cincinnati sucht nun fieberhaft nach dem Inhaber dieser Stimme.[1]
Unterdessen hat die Polizei in Pittsburgh die Fahndung nach drei Verdächtigen aufgenommen. Dem Bericht der Washington Times zufolge leitet Polizeileutnant Peter Connors die dortige Mordkommission und koordiniert die Suche mit den Behörden im westlichen Pennsylvania.[2] Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf einem polizeibekannten Mann namens George Psalalias — in der Unterwelt unter dem Decknamen Georg der Grieche bekannt.[2] Seine Personenbeschreibung wurde bereits an die umliegenden Ortschaften weitergegeben, während die Identität der beiden anderen Gesuchten vorerst streng geheim gehalten wird.[2] Psalalias, der zuletzt am Donnerstag in Pittsburgh gesehen wurde, ist auch in Canton kein Unbekannter, weshalb Leutnant Connors ihn dringend zu seinen Bewegungen in der Mordnacht verhören möchte.[2]
Der Mord schlägt auch politisch hohe Wellen. In den Kirchen von Canton forderten die Geistlichen am Sonntag eine lückenlose Aufklärung und die konsequente Säuberung der Stadt von kriminellen Elementen.[1] Eine Petition wurde in Umlauf gebracht, die den Gouverneur A. V. Donahey auffordert, eine eigene, geheime Untersuchung — völlig unabhängig von den lokalen Behörden — einzuleiten.[1] Diese Forderung verdeutlicht das tiefe Misstrauen der Bürgerschaft gegenüber der örtlichen Exekutive. Polizeichef S. A. Lengel sieht sich derweil schweren Anschuldigungen durch Zeitungen in zahlreichen amerikanischen Großstädten ausgesetzt. Diese Zeitungen verdächtigen ihn als möglichen Hintermann des Komplotts.[1] Lengel wies die Vorwürfe scharf zurück und kündigte eine Verleumdungsklage auf 50.000 Dollar gegen die Verantwortlichen an.[1] Er behauptete, der Ermordete habe ihn in der Zeitung zu Unrecht angegriffen und in Wahrheit lediglich angestrebt, die politische Kontrolle in Canton an sich zu reißen.[1]