Die innenpolitische Lage in Griechenland bleibt von scharfen Gegensätzen und den autokratischen Maßnahmen des Diktators General Pangalos geprägt. Nachdem der Präsident des Kassationshofs eine Regierungsbildung abgelehnt hatte, ist nun der frühere Finanzminister Eftaxias mit der Führung des neuen Kabinetts betraut worden.[1] Wie die Neue Freie Presse meldet, legten die Minister bereits vor Präsident Pangalos ihren Eid ab.[2]
Die Zusammensetzung des Kabinetts zeigt eine deutliche politische Färbung. Während die Ressorts für Äußeres unter Rufos sowie für Inneres, Krieg, Landwirtschaft und das Flüchtlingswesen in den Händen der bisherigen Amtsinhaber verbleiben, rücken fünf Vertraute des neuen Ministerpräsidenten in die Regierung ein.[3][2] Den Berichten des Berliner Tageblatts zufolge übernimmt der ehemalige Abgeordnete Ladopulos das Finanzportefeuille, während der frühere Journalist Pop künftig das Unterrichtsministerium leitet und ein neues Pressegesetz ausarbeiten soll.[3][1] Die neuen Kabinettsmitglieder gelten durchweg als gemäßigte Antivenizelisten.[3][2] Eftaxias erklärte hierzu, er wolle in parteilosem Sinne für eine Beruhigung der Geister wirken.[2]
Trotz dieser versöhnlichen Worte sichert sich das Regime weitreichende Vollmachten. Pangalos und Eftaxias kündigten an, in Finanzfragen diktatorische Gewalt ausüben zu wollen.[3] Zudem behält sich General Pangalos das Recht vor, bestimmte staatliche Angelegenheiten weiterhin per Dekret zu regeln.[2] Als fernes Ziel stellte die Regierung Neuwahlen in Aussicht. Diese sollen nach "sorgfältiger Vorbereitung" stattfinden, um den Volkswillen zur Geltung zu bringen.[3]
Im Widerspruch zu den Versprechungen einer politischen Befriedung stehen jedoch die jüngsten Gewaltmaßnahmen der Machthaber. Nach Informationen der Sächsischen Staatszeitung wurden die führenden Köpfe der Demokratischen Partei sowie einige Journalisten unter dem Vorwurf einer Verschwörung gegen das bestehende Regime verhaftet.[1] Zu den Betroffenen zählen die früheren Ministerpräsidenten Kafandaris und Michalakopulos sowie der ehemalige Innenminister Papandreu.[3][1] Sie sollen auf die Kykladeninsel Naxos verbannt werden.[1] Laut dem Harburger Tageblatt ist auch der Politiker Papanastasiu von den Haftbefehlen betroffen.[4] Das Berliner Tageblatt berichtet allerdings, dass Letzterer dem Transport nach Naxos vorerst entging, da er von den Behörden nicht aufzufinden war.[3]
Unterdessen scheint die Regierung angesichts der Tragweite dieser Vorgänge bereits wieder eine Kurskorrektur zu erwägen. Aus Athener Regierungskreisen verlautet, dass das Kabinett die Verbannung der Parteiführer in den nächsten Tagen nochmals überprüfen und gegebenenfalls deren baldige Rückkehr aus Naxos gestatten wolle.[3][2]