In der zentraljapanischen Stadt Nagano ist es am Sonntag zu überaus schweren und gewalttätigen Ausschreitungen gekommen.[1] Wie aus übereinstimmenden Meldungen hervorgeht, richtete sich der Zorn der Menge primär gegen den lokalen Präfekten und die örtliche Polizeiführung.[2] Die Unruhen nahmen ein solches Ausmaß an, dass die zivilen Ordnungskräfte zeitweise vollständig die Kontrolle über die Stadt einbüßten.[2][3]
Nach Berichten des Hong Kong Telegraph versammelte sich ein Mob von rund fünftausend Menschen. Diese zogen mit Steinen und Knüppeln bewaffnet durch die Straßen.[2] Die Wiener Neue Freie Presse berichtet hingegen von einer Menschenmenge von fünfzehntausend Personen, die sich zu einer stürmischen Demonstration zusammenfand.[1] Die Aufständischen stürmten zunächst das Präfekturgebäude und die offizielle Amtswohnung des Präfekten.[2][1] Dort kam es zu dramatischen Szenen: Laut der Neuen Freien Presse wurde der Präfekt von den Eindringlingen mit Schlägen und Fußtritten derart schwer misshandelt, dass er schließlich bewusstlos am Boden liegen blieb.[1] Auch die Moskauer Prawda berichtet von der vollständigen Verwüstung der Räumlichkeiten des Gouverneurs und der Polizeiverwaltung durch die große Menschenmenge.[4]
Die Wut der Demonstranten richtete sich anschließend gegen das Anwesen des Polizeichefs. Dessen Einrichtung wurde Berichten zufolge vollständig zerstört.[1] Auch der Polizeichef erlitt bei den Übergriffen erhebliche Verletzungen, jedoch waren diese nach den vorliegenden Berichten nicht lebensgefährlich.[2] Im weiteren Verlauf der Krawalle richteten die Randalierer ihre Angriffe gegen die lokale Presse. Dem Hong Kong Telegraph zufolge wurden die Büros von zwei Zeitungsredaktionen angegriffen.[2] Die Neue Freie Presse präzisiert, dass vor allem die Redaktionsräume und Maschinen eines Presseorgans zerstört wurden, welches den Präfekten in der Vergangenheit politisch unterstützt hatte.[1] Die anwesenden Redakteure konnten sich nur mit Mühe durch die Flucht retten.[1]
Die örtliche Polizei war nicht in der Lage, der tobenden Menge Einhalt zu gebieten, und musste dem gewaltsamen Treiben weitgehend tatenlos zusehen.[2][3] Nach Angaben der britischen Agentur Reuter beläuft sich die vorläufige Bilanz der blutigen Auseinandersetzungen auf insgesamt einhundert Verletzte.[2] Unter den Opfern befinden sich auch zwanzig Polizeibeamte, von denen zwei in Lebensgefahr schweben.[2] Die Lage beruhigte sich erst, nachdem externe militärische Verstärkung angefordert worden war.[3] Eine aus Matsumoto herangeführte Militärabteilung wurde in Marsch gesetzt; jedoch hatte sich die Menge vor dem Eintreffen der Soldaten am Schauplatz bereits zerstreut.[2][3]