Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit Gotthard Kuehl im Jahre 1911 die letzte große internationale Kunstausstellung in Dresden arrangierte.[1] Der Weltkrieg und seine verheerenden Folgen für die deutsche Kulturarbeit hatten das Land tiefgreifend isoliert.[1] Es ist nun gelungen, die Dresdner Internationale Kunstausstellung 1926 zu eröffnen. Sie ist die erste Schau dieses Ausmaßes und dieser Geschlossenheit auf deutschem Boden seit 1914.[1]

Wie die Sächsische Staatszeitung berichtet, gebührt das Verdienst für diese organisatorische Leistung in erster Linie dem Direktor der Staatlichen Gemäldegalerie, Dr. Hans Posse.[1] In mehr als einjähriger, mühevoller Arbeit hat er die Voraussetzungen für die Zusammenführung des reichhaltigen Materials geschaffen.[1] Er verließ sich dabei nicht ausschließlich auf ausländische Vertrauensmänner. Vielmehr reiste er persönlich zu den Künstlern der beteiligten Länder, um die durch den Krieg abgerissenen Verbindungen neu zu knüpfen.[1] Eine Ausnahme bildeten lediglich die Vereinigten Staaten; für Amerika übernahm der in Detroit wirkende deutsche Museumsfachmann Dr. W. R. Valentiner die Vermittlung.[1]

Das Ergebnis dieser Bemühungen ist imposant: In rund fünfzig Sälen, deren schlichte, aber vornehme Ausstattung von Professor Dr. Heinrich Tessenow stammt, werden etwa 1000 Kunstwerke präsentiert.[1] Etwa die Hälfte der Exponate entstammt dem deutschen, die andere Hälfte dem ausländischen Kunstschaffen.[1] Dabei wird der heimischen sächsischen und Dresdner Kunst ein breiter Raum gewährt.[1] Mit rund 150 Gemälden und etwa 50 Plastiken ist die lokale Künstlerschaft stark vertreten.[1]

Besondere Aufmerksamkeit wird dem Andenken des einstigen Organisators Gotthard Kuehl zuteil, dessen meisterhaftes Bild „Das grüne Tor“ als Ehrung ausgestellt ist.[1] Auch der verstorbene Oskar Zwintscher wird mit einem Bildnis gewürdigt.[1] Bei den lebenden Künstlern zeigt die Ausstellung eine beachtliche stilistische Bandbreite, die vom Impressionismus über den Expressionismus bis zur sogenannten neuen Sachlichkeit reicht.[1] Zu den zahlreich vertretenen Malern zählen der nun in Kassel wirkende Carl Bantzer, Fritz Beckert, Ferdinand Dorsch und Max Feldbauer.[1] Ergänzt wird die sächsische Schau durch Werke von Ludwig von Hofmann, Richard Müller mit seinen Gemälden „Meine Hunde“ und „Liegender Akt“ sowie Arbeiten von Robert Sterl und Hans Unger.[1]

Die Resonanz in der inländischen Presse fällt wohlwollend aus. Laut der Sächsischen Staatszeitung widmen renommierte Zeitschriften dem Ereignis umfangreiche Sonderhefte.[1] Die Publikation Der Cicerone bringt Beiträge von Theodor Däubler und Will Grohmann, während das Heft Deutsches Land ein Geleitwort des Oberbürgermeisters Dr. Blüher enthält.[1] Auch die Monatsblätter Die Bergstadt befassen sich detailliert mit der Kunstschau und der parallel stattfindenden Gartenbauausstellung.[1] Die Ausstellung verdeutlicht, dass sich Dresden erneut am europäischen Kulturaustausch beteiligt.