In ganz Skandinavien herrschte ursprünglich die Ansicht vor, die Ratifizierung der im Vorjahr geschlossenen Schiedsverträge zwischen Norwegen, Schweden und Dänemark würde reibungslos verlaufen.[1] Nun aber hat das norwegische Storthing die Ratifizierung des norwegisch-dänischen Abkommens mit überwältigender Mehrheit auf das kommende Jahr — praktisch also auf unbestimmte Zeit — vertagt.[2][1]
Wie der Vorwärts meldet, erhob sich in Norwegen schon früh eine von der Zeitung Tidens Tegn geführte Agitation gegen den Vertrag.[2] Zunächst glaubte man besonders in Kopenhagen, dass es sich lediglich um den Protest einer kleinen Clique romantisch-nationalistischer Intellektueller handele.[2][1] Die Parlamentsabstimmung zeigt jedoch, dass die Abneigung tief im Lande verwurzelt ist, sodass eine sofortige Ratifizierung derzeit nicht in Betracht gezogen wird.[2]
Nach Berichten des Hamburger Echo richtet sich der Widerstand weniger gegen die Einrichtung eines Schiedsgerichts an sich; vielmehr wird ein Vertragsabschluss abgelehnt, bevor drängende Streitpunkte mit Dänemark geklärt sind.[1] Insbesondere sind die Schließung Grönlands durch die Kopenhagener Regierung sowie das nach Ansicht norwegischer Kreise als brutal bezeichnete Auftreten der dänischen Fischereiinspektion in jenen Gewässern und um Island Anlass zur Kritik.[2][1] Außerdem fordert Oslo die Herausgabe historischer Akten aus der Zeit der dänisch-norwegischen Union.[2]
Aus diesen Gründen wird die norwegische Regierung voraussichtlich neue Verhandlungen über diese Streitfragen aufnehmen.[1] Zudem erscheint es zweifelhaft, ob Norwegen das von Dänemark favorisierte Muster mit seinen obligatorischen Sprüchen „nach Recht und Billigkeit" in allen Streitfragen überhaupt anerkennen möchte.[2] Der vorsichtigere deutsche Schiedsvertragstyp, bei dem in politischen Streitfällen eine letzte Instanz offengelassen wird, gewinnt auch in Skandinavien an Zustimmung.[2] Ob sich eine solche Veränderung gegen den ausgeprägten dänischen Nationalstolz auf das eigene Schiedssystem durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten.[1]