In der niederländischen Region Nord-Gooiland stehen weitreichende kommunale Umstrukturierungen zur Debatte. Wie der Nieuwe Rotterdamsche Courant berichtet, hat sich jüngst ein Komitee aus neun Gemeinderäten der Orte Bussum, Naarden und Huizen an die Provinzregierung gewandt, um die Bildung einer neuen Kommune „Groß-Bussum“ zu fordern.[1] Parallel dazu befürworten mehrere Räte in Huizen die Schaffung einer einzigen zentralen Verwaltungsebene unter dem Namen „Groß-Hilversum“.[1]

Den Hintergrund dieser Fusionsbestrebungen bildet vor allem die prekäre finanzielle Lage der historischen Festungsstadt Naarden. Die Ortschaft zählt lediglich 5000 Einwohner und ist nicht in der Lage, die hohen Kosten für Schleifung und Umgestaltung der alten Befestigungswerke aus eigenen Mitteln zu tragen.[1] Die behördliche Aufhebung der sogenannten verbotenen Festungskreise hat in Naarden einen raschen Meinungsumschwung ausgelöst.[1] Eine Mehrheit befürwortet dort nun den Anschluss an das direkt angrenzende Bussum; noch vor vier Jahren hatte man sich jedoch gegen derartige Pläne gewehrt.[1] In Bussum selbst sind die Fraktionen über das Projekt gespalten.[1] Während die Sozialdemokraten das Vorhaben unterstützen, lehnt die römisch-katholische Partei die Pläne entschieden ab.[1] Ein weiterer bedeutender Grund für die Bündelung der Kräfte ist die Notwendigkeit, eine finanzstarke Gemeinde zu schaffen, um die bestehenden Landfragen der historischen Bauerngemeinschaft der Erfgooier zu lösen.[1]

Die bevorstehende städtebauliche Verschmelzung ruft derweil eindringliche Warnungen hervor. Nach Angaben des Nieuwe Rotterdamsche Courant äußert der Landschaftsarchitekt D. P. Tersteeg erhebliche Bedenken gegen eine rücksichtslose Erschließung.[1] Er betont, dass Naarden als Festungsstadt des 17. Jahrhunderts architektonisch in Einklang mit modernen Gartenstadt-Entwürfen gebracht werden müsse.[1] Tersteeg warnt ausdrücklich davor, die alten Wälle zu beschädigen oder die historischen Wassergräben für neue Verkehrswege mit Erddämmen zuzuschütten.[1] Stattdessen sollten aus gestalterischer Sicht Brücken errichtet werden.[1] Um den Verkauf der frei gewordenen Flächen an spekulative Bauunternehmer zu unterbinden, fordert der Experte eine Bauordnung. Die neuen Gebiete seien keineswegs baureif, bei einer Erschließung würden zudem erhebliche Kosten entstehen.[1]