An der Burg Saaleck bei Kösen hat sich in diesen Tagen ein beispielloser politischer Skandal ereignet. Vor den Augen der Öffentlichkeit wurden die Attentäter Walther Rathenaus durch eine feierliche Gedenkveranstaltung geehrt. Diese offene Verherrlichung des politischen Mordes veranschaulicht die erschreckende Erstarkung der reaktionären Kräfte und wirft ein grelles Licht auf die Hintergründe der rechtsextremen Umtriebe in der Republik.
Wie ernst die innere Bedrohung durch die sogenannten vaterländischen Verbände geworden ist, zeigen aktuelle Warnungen vor deren schleichender Militarisierung. Diese Kreise beschränken sich nicht auf symbolische Ehrungen von Putschisten und Mördern. Das Hamburger Echo veröffentlicht hierzu einen Bericht des Polizeiobersten a. D. Schützinger, der vor der massenhaften Einführung des Kleinkaliberwaffensports bei den politischen Kampfverbänden der Rechten warnt.[1] Angesichts der Not im Lande stelle diese Entwicklung ein bedenkliches Zeichen für kommende machtpolitische Auseinandersetzungen dar.[1]
Die Ausrüstung der rechten Stoßtrupps nimmt bereits gefährliche Ausmaße an. Nach Angaben des Hamburger Echos bewirbt der Stahlhelm in seiner Bundeszeitschrift offen eigene "Stahlhelmbüchsen" zur Massenbeschaffung.[1] Waffenfabriken in Suhl könnten die Bestellungen derartiger Vereine kaum noch bewältigen.[1] Inzwischen verfügen sogar kleine Ortschaften über eigene Schießbahnen mit Distanzen von bis zu 200 Metern.[1]
Die skandalösen Feierlichkeiten in Kösen fügen sich nahtlos in dieses Bild der ideologischen und materiellen Mobilisierung ein. Führende rechte Funktionäre wie Claß und Pittinger gewinnen durch die heimliche Aufrüstung ihrer Verbände ein militärisches Übergewicht, das sie angesichts des politischen Rechtsrucks als Ansporn für weiteres Vorgehen ansehen.[1] Wenn sich solche Kräfte ungehindert für den sogenannten Ernstfall vorbereiten, droht der Republik die Gefahr schwerer innerer Unruhen.[1]