Die sowjetische Zivilluftfahrt entfaltet gegenwärtig eine bemerkenswerte Aktivität, um die diplomatischen Beziehungen zu den südlichen Nachbarstaaten durch weitreichende Fernflüge zu festigen. Wie die Prawda ausführlich berichtet, startete in der Nacht zum 19. Juli das Flugzeug „Roter Stern“ von Moskau zu einem historischen Flug nach Angora (Ankara).[1] Die Maschine wurde von dem Piloten Mescheraup und dem Bordmechaniker Golowanow gesteuert und hatte eine Strecke von 1.900 Kilometern zu bewältigen.[1] Dazu gehörte eine überaus riskante, 300 Kilometer lange Etappe über das offene Schwarze Meer.[1] Nach einer erfolgreichen Zwischenlandung am frühen Morgen in Charkow, wo der Apparat sorgfältig überprüft und mit Treibstoff versorgt wurde, erreichten die Flieger am Mittag Sewastopol.[1] Dort war eine Eskadre der Schwarzmeerflotte in Bereitschaft versetzt worden, um bei einer etwaigen Havarie über dem Wasser sofort eingreifen zu können.[1]

Die politische Tragweite des Unternehmens zeigte sich bereits bei der feierlichen Verabschiedung auf dem Moskauer Flugfeld.[1] Es waren neben hohen militärischen Funktionären wie S. S. Kamenew auch das Kollegiumsmitglied des Außenkommissariats, S. I. Aralow, sowie der türkische Botschaftssekretär Behçet Cefik-Bey anwesend.[1] Aralow nutzte die Gelegenheit und äußerte den Wunsch nach einer Vertiefung des politischen und kulturellen Bündnisses mit der türkischen Republik.[1] Die Prawda bezeichnet in diesem Zusammenhang die baldige Etablierung eines regulären Luftverkehrs zwischen Moskau und Angora als wahrscheinlich.[1]

Parallel zu dem türkischen Flugunternehmen konnte die sowjetische Flugtechnik auch in Persien einen diplomatischen Erfolg verzeichnen.[1] Nach Angaben des Moskauer Blattes wurden der Pilot Moissejew und sein Mechaniker Moros nach ihrer Landung in Teheran offiziell von dem amtierenden persischen Außenminister Daud Meftah empfangen.[1] Bei dieser Begegnung, der auch der Generalstabschef der persischen Armee beiwohnte, betonte Meftah, dass die freundschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion einen ausgesprochen wohltuenden Einfluss auf die persische Gesellschaft hätten.[1] Moissejew wiederum äußerte die Hoffnung, dass dieser erste Auslandflug sowjetischer Flieger bald durch einen Gegenbesuch persischer Piloten erwidert werde, damit die Luftfahrtkooperation beider Länder weiter ausgebaut werden könne.[1]