Das Datum markiert den siebzigsten Geburtstag eines der bedeutendsten und einflussreichsten Dramatiker unserer Zeit: Bernard Shaw. Wie die Neue Freie Presse in einer ausführlichen Würdigung darlegt, würde der irische Schriftsteller diesen Gedenktag wohl kaum als Jubelfest begehen, besäße er eine triviale oder gedankenlose Natur.[1] Doch eine solche Haltung sei dem Dichter gänzlich fremd.[1] Vielmehr trage Shaw seinen Weltruhm mit einer wahrhaft erfrischenden und durchweg unfeierlichen, heiteren Selbstverständlichkeit.[1]

Der Publizist Felix Salten bemerkt hierzu, dass alles, was Shaw jemals an Lob, Schimpf oder Gegnerschaft von der Welt empfangen habe, am Ende immer nur seine eigene Meinung über sich selbst bestätige.[1] In den vergangenen zwei Jahrzehnten, in denen sein geistiger Einfluss stetig gewachsen sei, habe der Dramatiker niemals priesterliche Manieren angenommen.[1] Salten betont nachdrücklich, dass Shaw „kein einziges Mal den Monarchen gemimt“ habe, der feierliche Thronreden halte.[1] Derlei Attitüden seien charakteristisch für Personen, die erst durch ihren Ruhm mit Stolz erfüllt würden — eine Regung, die dem ewigen Skeptiker Shaw denkbar fernliege.[1]

Zu Ehren des Jubilars veröffentlicht das genannte Blatt eine umfangreiche literarische Beilage. Diese illustriert eindrucksvoll die Wertschätzung, welche dem Autor in der deutschsprachigen Kulturwelt entgegengebracht wird.[1] So steuert Hermann Bahr einen Beitrag unter dem Titel Begegnung mit Shaw bei, während Leon Kellner eine Abhandlung über „Shaws strengsten Kritiker“ verfasst hat.[1] Besondere Aufmerksamkeit verdient eine Huldigung für Shaw aus der Feder von Bertolt Brecht.[1]

Darüber hinaus versammelt die Redaktion eine Reihe prominenter Festgrüße.[1] Neben Raoul Auernheimer und Arthur Schnitzler lassen es sich auch Siegfried Trebitsch und Helene Scheu-Riesz nicht nehmen, dem Dichter ihre Reverenz zu erweisen.[1] Ob man dem Kalender, der unverkennbar mit einem geheimnisvollen Schicksal verknüpft sei, blind vertrauen dürfe, lässt Salten am Ende seiner Betrachtung humorvoll offen; fest stehe jedoch, dass die literarische Welt dem Schöpfergeist Shaws ungebrochene Bewunderung zolle.[1]