Der amerikanische Senator Hiram Johnson hat sich gestern in einer scharfen Erklärung gegen einen Beitritt der Vereinigten Staaten zum Ständigen Internationalen Gerichtshof ausgesprochen. Wie die Washington Post meldet, forderte der kalifornische Republikaner die sofortige Rücknahme des amerikanischen Beitrittsangebots.[1] Europa sei nach seiner Auffassung in nur einer Sache vereint, nämlich im „Hass auf die Vereinigten Staaten“.[1] Johnson warf jenen Teilen der eigenen Bürgerschaft, die den Beitritt befürworten, Verblendung vor und warnte davor, die ungeliebte Gläubigernation einem Weltgerichtshof auszuliefern, der von hasserfüllten Schuldnerstaaten dominiert werde.[1]
Hintergrund der heftigen innenpolitischen Debatte ist der ungelöste Streit um die interalliierten Kriegsschulden. Die Vereinigten Staaten werden in Europa zunehmend angefeindet und, wie Johnson beklagt, als „Shylock“ verunglimpft.[1] Dabei verlange Washington lediglich die Einlösung eines Bruchteils der ausländischen Schuldscheine.[1] Der Senator verwies auf die jüngsten Erklärungen von Finanzminister Mellon, aus denen hervorgeht, dass Amerika Italien die gesamten während des Krieges gewährten Kredite vollständig erlassen habe.[1]
Die Schuldenfrage belastet die diplomatischen Beziehungen auf beiden Seiten des Atlantiks schwer. Senator Borah betonte, dass die jüngsten Parlamentsreden Churchills einem gezielten Feldzug für die vollständige Streichung der englischen Schulden gleichen.[2] Nach Berichten der Kölnischen Zeitung stellen die systematischen Angriffe auf die amerikanische Politik eine eigenartige Methode der europäischen Mächte dar, um eine Annullierung ihrer Verbindlichkeiten zu erzwingen.[2] Besonders in Paris und Italien nehmen Schmähungen und Ausfälle gegen amerikanische Reisende spürbar zu.[2] Senator Reed brachte angesichts der zunehmenden Anfeindungen gegen amerikanische Touristen bereits einen sechsmonatigen Boykott gegen Frankreich ins Gespräch, um den Ausschreitungen ein Ende zu bereiten.[2] Unter diesen Umständen, so das abschließende Fazit Johnsons, sei es vollkommen zwecklos, an einem Beitritt zum Gerichtshof im Haag festzuhalten, zumal bislang ohnehin nur drei kleinere europäische Nationen die amerikanischen Vorbehalte akzeptiert hätten.[1]