Das Schicksal der wertvollsten Gutenbergbibel aus dem Besitz der Stiftsherren von St. Paul in Kärnten scheint besiegelt.[1] Wie die Badische Presse berichtet, wurde das Werk bereits vor einem Vierteljahr für über 800.000 Mark an einen amerikanischen Agenten veräußert.[1] Zwar fehlt der Ausfuhr augenblicklich noch die staatliche Genehmigung, doch wird diese mit großer Wahrscheinlichkeit erteilt.[1] Der enorme Erlös soll das durch die jüngste Inflation sowie durch jugoslawische Bedrängnisse schwer verarmte Stift aus seiner drängendsten Notlage retten.[1]

Die dreibändige Foliobibel auf Pergament blickt auf eine äußerst bewegte Geschichte zurück — eine Historie, die das seltene Stück beinahe in den Besitz des badischen Staates gebracht hätte.[1] Im Jahre 1807 sollte sie zusammen mit anderem säkularisierten Gut des Schwarzwaldklosters St. Blasien in die Karlsruher Hofbibliothek überführt werden.[1] Die Mönche brachten ihren wertvollen Besitz jedoch rechtzeitig vor dem Eintreffen der Freiburger Kommissäre in die Schweiz in Sicherheit, sodass lediglich minderwertige Handschriften nach Karlsruhe gelangten.[1] Der Freiburger Universitätsvertreter Baggeti hatte damals vergeblich größten Wert auf diese seltene Bibel gelegt.[1] Sie versprach nach seinen Worten die „schönste Zierde der Hofbibliothek zu werden“ und wog einhundert Werke des 15. Jahrhunderts auf.[1] Laut den Aufzeichnungen eines Laienbruders war sie „auf eine honette Art“ für das Kloster St. Blasien erworben worden.[1] Was vor über hundert Jahren den Franzoseneinfällen und den Säkularisationsforderungen entging, fällt nun bedauerlicherweise Amerika zu.[1]