In den malerischen Randgebieten von Damaskus vollzieht sich gegenwärtig eine Auseinandersetzung, welche die Zukunft der französischen Mandatsherrschaft in Syrien maßgeblich bestimmen dürfte.[1] Wie die Washington Post berichtet, tobt in den ausgedehnten Gärten rings um die heilige Stadt seit nunmehr fünf Tagen eine erbitterte Schlacht.[1] Auf der einen Seite stehen 10.000 französische Soldaten unter dem Oberbefehl von General Gamelin, während auf der Gegenseite etwa 4.000 syrische Aufständische kämpfen, die zuletzt durch drusische Krieger namhafte Verstärkung erhielten.[1]

Sollte es den Truppen Gamelins gelingen, die Rebellen in der Oase Ghouta vernichtend zu schlagen, so wäre das Rückgrat der syrischen Revolution gebrochen. Die Ordnung in dem Unruhegebiet könnte dann wiederhergestellt werden.[1] Ein Scheitern der Offensive würde dagegen katastrophale Folgen nach sich ziehen.[1] Das militärische Prestige Frankreichs ist ohnehin durch das Debakel von General Michaud vor Soueida im August des vergangenen Jahres sowie durch den nun schon acht Monate andauernden Belagerungszustand in Damaskus schwer angeschlagen.[1] Eine neuerliche Niederlage würde die Befriedung des Landes, das sich weiterhin im offenen Aufstand befindet, nahezu unmöglich machen.[1]

Die Heftigkeit der jüngsten Gefechte spiegelt sich in den amtlichen Verlustlisten wider. Laut dem Pariser Figaro räumt die Militärverwaltung für die Kämpfe in der Ghouta bisher 49 Gefallene sowie 97 Leichtverwundete ein. Dies sind Zahlen, die sich weitgehend mit den Angaben amerikanischer Korrespondenten decken; diese sprechen von rund einhundert Verwundeten.[1][2] Unter den Toten befindet sich nach Angaben des Figaro auch ein namentlich erwähnter Oberst Iting.[2]

Die französische Berichterstattung hebt derweil besonders die außerordentliche Rücksichtslosigkeit der Aufständischen hervor. Dem Figaro zufolge wurden zwei Aviatiker, die nach einer Motorpanne zur Notlandung gezwungen waren, sogleich von über zweihundert Rebellen attackiert.[2] Die Flieger leisteten verzweifelten Widerstand, bis ihre schweren Verwundungen sie kampfunfähig machten.[2] Daraufhin wurden sie von den Angreifern an den Rumpf ihrer Maschine gefesselt und bei lebendigem Leibe verbrannt.[2] Auch die grausige Auffindung von Spahis, die paarweise aneinandergebunden getötet worden waren, zeugt von der ungeheuren Erbitterung, mit der dieser koloniale Konflikt geführt wird.[2]