Die Berichte der deutschen Auslandpresse über polnische Rüstungsmaßnahmen gegen Litauen scheinen sich zu bestätigen. Wie das finnische Hufvudstadsbladet meldet, arbeitet Marschall Pilsudski (Józef Piłsudski) nach seinem jüngsten Staatsstreich energisch an der Verstärkung der Armee.[1] Vor wenigen Tagen kehrte General Minkiewicz von einer ausgedehnten Inspektionsreise an der polnisch-litauischen Grenze nach Warschau zurück und erstattete dem Marschall eine ausführliche Meldung.[1] In Wilna sind unterdessen polnische Elitetruppen unter dem Befehl von General Rydz-Smigly (Edward Rydz-Śmigły) zusammengezogen.[1]

Die Reorganisation der Streitkräfte erfasst weite Bereiche des Staates. Dem Hufvudstadsbladet zufolge beabsichtigt Pilsudski, in den kommenden Jahren die Budgets des Kriegsministeriums und der Polizeiverwaltung schrittweise zu erhöhen.[1] Gleichzeitig sollen der Eisenbahnverwaltung bedeutende Mittel zufließen, um strategisch wichtige Linien auszubauen.[1] Auch der heimischen Kriegsindustrie wird großes Interesse entgegengebracht. Bei einer Konferenz unter dem Vorsitz Pilsudskis, an der der Staatspräsident, der Ministerpräsident und führende Industrielle teilnahmen, wurden weitreichende Beschlüsse gefasst. Ziel ist es, die chemische Industrie und insbesondere die Stickstoffgewinnung mit Hilfe ausländischen Kapitals zu fördern.[1]

Die Umstrukturierung der Armee führt zu beinahe täglichen Veränderungen in den obersten Kommandostellen.[1] Außerdem verdient der Ausbau paramilitärischer Verbände besondere Beachtung. Für die sogenannten „Pilsudski-Jäger“, eine bewaffnete Organisation, die laut der Zeitung bereits 230.000 Mitglieder zählt, werden erhebliche Summen aufgewendet.[1] Die militärische Ausbildung dieser Freiwilligen erfolgt streng nach den Anweisungen des Marschalls und liegt ausschließlich in den Händen aktiver Offiziere.[1]