Wie das Wolffsche Telegrafenbüro meldet, hat der Präsident der Carnegie-Stiftung und der Columbia-Universität in New York, Nicholas Murray Butler, vor seiner Abreise von Southampton nach den Vereinigten Staaten umfassende Mitteilungen über die neuen Pläne der Stiftung gemacht.[1] Demnach beabsichtigt die Organisation, ihre Tätigkeit auf dem europäischen Kontinent demnächst wesentlich zu erweitern.[1]

Die europäische Arbeit wird künftig von einem Verwaltungsausschuss geleitet, der sein Büro im Pariser Stiftungsgebäude am Boulevard St. Germain 173 hat.[1] In diesem Gremium sind Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Englands, Belgiens, Österreichs, der Schweiz, Italiens und Griechenlands vertreten.[1] Leiter der europäischen Abteilung ist Dr. Earle B. Babcock.[1] Zur wissenschaftlichen Untermauerung ihrer Ziele gibt die Stiftung eine neue Vierteljahresschrift heraus, die den Titel L'Esprit International trägt und ab Januar 1927 erscheinen soll.[1] Die Zeitschrift wird vor allem Dokumente veröffentlichen, die dem Kernanliegen der Stiftung dienen: der Förderung des internationalen guten Willens durch sachliche Unterrichtung der öffentlichen Meinung.[1] Bereits in diesem Jahr wird eine Zusammenarbeit mit dem Institut für internationales höheres Studium an der Universität Paris beginnen. Dessen nichtjuristische Vorlesungen finden künftig im Lesesaal des Carnegie-Gebäudes statt.[1]

Auch die akademischen Beziehungen zu Deutschland werden vertieft. Nach Angaben der Kölnischen Zeitung wird der Verwaltungsausschuss durch die Zuwahl eines angesehenen deutschen Gelehrten erweitert. Damit soll die bisherige freundschaftliche Mitarbeit führender deutscher Persönlichkeiten gewürdigt werden.[1] In Berlin wird bei der Deutschen Hochschule für Politik ein Carnegie-Lehrstuhl errichtet, der alljährlich abwechselnd von einem in- und ausländischen Gelehrten besetzt werden soll.[1] Den Anfang wird voraussichtlich ein amerikanischer oder englischer Fachmann für internationale Beziehungen machen.[1]

Im Rahmen dieser Erweiterungen werden in Kürze 50 sorgfältig ausgewählte amerikanische Professoren für internationales Recht nach Europa kommen, um Studien über die völkerrechtliche Zusammenarbeit durchzuführen.[1] Zu den europäischen Ausschussmitgliedern zählen unter anderem Paul Appell in Frankreich, Professor Gilbert Murray in England, Dr. von Prittwitz und Gaffron in Deutschland sowie der österreichische Professor Joseph Redlich.[1] Wie Butler ausdrücklich betonte, verfolgt die Stiftung keinerlei politische Ziele, sondern strebt allein eine sachliche Aufklärung der Völker an.[1]