Die anhaltenden Überfälle mazedonischer Banden an den Grenzen Jugoslawiens und Rumäniens drohen sich zu einer ernsthaften Krise auf dem Balkan auszuweiten. Die Regierungen in Belgrad und Bukarest haben die Großmächte gemeinsam über die Einfälle der Komitatschi unterrichtet.[1] Dabei betonten sie, dass sie bei einer Fortdauer der Übergriffe gezwungen seien, „wirksamere Maßnahmen“ als rein diplomatische Proteste zu ergreifen.[1] Die jugoslawische Regierung beabsichtigt zudem, die Angelegenheit vor das Forum des Völkerbundes zu bringen, um einem unmittelbaren bewaffneten Konflikt vorzubeugen.[2]

Unterdessen sind die diplomatischen Vertreter Frankreichs, Großbritanniens und Italiens in Sofia vorstellig geworden. Sie erteilten der bulgarischen Regierung „freundschaftliche Ratschläge“ und forderten, alle nötigen Schritte zur Unterbindung der Bandeneinfälle zu unternehmen.[1] Außenminister Buroff versicherte den Gesandten, Bulgarien werde alles tun, um den Frieden auf dem Balkan zu wahren.[1] Er wies jedoch darauf hin, dass die Urheberschaft des jüngsten Zwischenfalls in Kriwapalenka noch ungeklärt sei. Keiner der Angreifer habe auf bulgarischem Boden Schutz gesucht.[1] In London erklärte der Unterstaatssekretär des britischen Außenamtes im Unterhaus, es gebe keine Bestätigung für einen Verfolgungsbefehl jugoslawischer Truppen auf bulgarisches Gebiet.[3] Man müsse jedoch mit einem solchen Schritt rechnen, falls mazedonische Banden in beträchtlicher Zahl die Grenze überschreiten sollten.[3]

Nach Berichten des Pariser Temps sieht man die Lage in Frankreich mit großer Sorge.[2] Es wird befürchtet, dass die bulgarische Antwort auf die serbischen Forderungen ungenügend ausfallen könnte.[2] Die Pariser Diplomatie vermutet, dass hinter der bulgarischen Haltung italienische Einflüsse stehen. Rom betreibt derzeit intensive diplomatische Bemühungen auf dem Balkan. Dies weckt in Belgrad zusätzliches Misstrauen und erschwert eine rasche Beilegung der Grenzzwischenfälle erheblich.[2]