Ein vom amerikanischen Handelsminister Herbert Hoover vorgeschlagenes philanthropisches Wohnungsbauprojekt für Regierungsbeamte sorgt in der Bundeshauptstadt für erhebliche Aufregung.[1] Der Plan sieht vor, in Washington preiswerten Wohnraum zu schaffen, bei dem die Miete lediglich 12,50 Dollar pro Zimmer und Monat betragen soll.[1] Das Handelsministerium befasst sich bereits seit mehr als fünf Jahren mit den prekären Wohnverhältnissen der staatlichen Angestellten. Erst der aktuelle Vorstoß bringt jedoch eine konkrete Lösung in greifbare Nähe.[1]

Nach Angaben des Evening Star hat die Ankündigung in den örtlichen Immobilienkreisen scharfen Widerspruch ausgelöst.[1] Die lokale Vereinigung der Bauunternehmer sowie namhafte Erbauer von Apartmenthäusern fürchten erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Branche.[1] Vertreter der Immobilienwirtschaft warnen davor, dass ein derartiges Großprojekt die Stabilität des örtlichen Immobilienmarktes gefährden und den Wert von Wertpapieren, die landesweit auf Washingtoner Wohnungseigentum gehalten werden, drastisch mindern könnte.[1]

Hoover reagierte auf die Kritik am heutigen Tage mit einer entschiedenen Verteidigung des Vorhabens. Der Minister erklärte, gerade die heftige Reaktion der Immobilienmakler zeige, dass ein dringender Bedarf für bezahlbaren Wohnraum bestehe.[1] Den Vorwurf lokaler Akteure, er habe mit der Erhebung von Daten über die Mietbelastung der Beamten seine Kompetenzen überschritten, wies er entschieden zurück.[1] Zugleich trat Hoover Gerüchten entgegen, er selbst sei der Bauherr des Projekts, und weigerte sich, die Identität des tatsächlichen Geldgebers preiszugeben.[1]

Wie die Washington Post berichtet, wird in informierten Kreisen vermutet, dass die New Yorker Versicherungsgesellschaft Metropolitan Life hinter dem Vorhaben steht.[2] Das Unternehmen hat in New York bereits ähnliche Bauprojekte mit Unterstützung der städtischen Behörden verwirklicht.[2][1] Ein zentrales Problem für die Umsetzung in der Hauptstadt stellt jedoch die Grundstücksbeschaffung dar. Sollten die Landpreise ein exorbitantes Niveau erreichen, erwägt man die Vorbereitung eines Gesetzes, das Enteignungen durch den Kongress zulassen würde.[2] Vorbild ist ein New Yorker Gesetz, welches solche Wohnungsbaugesellschaften als gemeinnützige Versorgungsbetriebe einstuft und die Rendite der Investoren auf maximal sechs Prozent begrenzt, um dadurch die Mieten niedrig zu halten.[2]

Als möglicher Standort für das Bauprojekt in Washington wird ein Areal zwischen der achtzehnten und vierundzwanzigsten Straße unweit der Pennsylvania Avenue genannt.[1] Hoover beabsichtigt, das Vorhaben in den kommenden Tagen Präsident Calvin Coolidge vorzulegen, bevor er die Stadt für einen dreiwöchigen Erholungsurlaub verlässt.[1] Laut den vorliegenden Berichten wird mit der Unterstützung des Präsidenten gerechnet, da dieser sämtliche Bemühungen befürworte, die finanzielle Belastung der Staatsdiener zu verringern.[1]