Die Wellen der öffentlichen Diskussion um das finnische Verbotsgesetz schlagen gegenwärtig hoch, nachdem zwei umfangreiche Berichte zur Alkoholfrage nahezu zeitgleich das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.[1] Wie die Helsingin Sanomat meldet, zieht der Bericht der Alkoholkommission über die Auswirkungen des seit nunmehr sieben Jahren theoretisch bestehenden Alkoholverbots zwar keine direkten praktischen Schlussfolgerungen für die Gesetzgebung. Er stellt das Verbot jedoch unbestreitbar in ein äußerst unvorteilhaftes Licht.[2] Man müsse nüchtern eingestehen, dass die mit dem Gesetz verknüpften Hoffnungen bisher nicht erfüllt worden seien und sich die allgemeine Situation von Jahr zu Jahr verschlechtert habe.[2]

Die Untersuchung der sogenannten Kovero-Kommission stützt sich auf ein umfangreiches empirisches Material. Mehr als 9000 detaillierte Fragebogen wurden landesweit unter anderem an Polizeibehörden, Geistliche, Richter und Kommunalverwaltungen versandt.[1] Das erdrückende Beweismaterial zeichnet ein überaus trübes Bild der Nüchternheit im Lande. Die Reaktionen der Parteipresse sind angesichts dessen gespalten.[1] Nach Angaben des Hufvudstadsbladet schweigen die agrarischen Blätter gänzlich, als warteten sie auf Anweisungen ihrer Führung.[1] Das Organ der Sammlungspartei, die Uusi Suomi, äußert offene Zweifel daran, ob die von der Virkkunen-Kommission vorgeschlagenen radikalen Maßnahmen zur Bekämpfung des Schmuggels wirksamer sein werden als frühere, vergebliche Versuche.[1] Diese neuen Kontrollmethoden würden zudem Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verursachen.[1] Selbst die sozialistische Presse zeigt sich angesichts der kompromittierenden Zahlen unsicher. Während Blätter wie die Sosialisti vorsichtig eine Revision des Gesetzes erwägen, versucht das führende Parteiorgan lediglich, den Wert des statistischen Materials in Abrede zu stellen.[1]

Derweil steht das Land vor einem ernsthaften Dilemma: Soll das Gesetz endgültig als Misserfolg abgeschrieben oder durch noch drakonischere Maßnahmen erzwungen werden?[2] Die Befürworter eines harten Kurses argumentieren, die bisherige Ausführung sei zu lax gewesen.[2] Für eine wirksame Durchsetzung sei der absolute Rückhalt der Bevölkerungsmehrheit jedoch unerlässlich.[2] Aus diesem Grund wird nun gefordert, die Schicksalsfrage des Verbots durch eine beratende Volksabstimmung klären zu lassen. Man erhofft sich dadurch eine Lösung für die festgefahrene innenpolitische Lage.[1][2]