Die jüngsten Grenzzwischenfälle auf dem Balkan haben zu einer spürbaren diplomatischen Anspannung geführt.[1] Wie die Badische Presse meldet, überschritt am 12. August eine bulgarische Bande unter Führung des Wojewoden Askow die jugoslawische Grenze in Richtung des Valenciagebirges.[2] Im dichten Nebel verlor die Truppe die Orientierung und stieß bei Dobropolje auf jugoslawische Grenzwachen.[2] Es entwickelte sich ein heftiges Feuergefecht, das bis zum Mittag des folgenden Tages andauerte.[2] Die Bulgaren zogen sich schließlich unter dem Verlust von zwei Toten zurück; auf jugoslawischer Seite wurden mehrere Grenzsoldaten verletzt.[2] In Belgrad herrscht deswegen eine außergewöhnliche Erregung.[2]

Als Reaktion auf diese und ähnliche Vorfälle haben Jugoslawien, Rumänien und Griechenland dem bulgarischen Außenminister Bourof (Atanas Burow) in Sofia eine gemeinsame Note überreicht.[1] Nach Berichten des Pariser Temps besitzt dieser Schritt nicht den Charakter eines Ultimatums.[1] Die drei Kabinette machen die bulgarische Regierung nicht unmittelbar für die Taten der sogenannten Komitadschis verantwortlich. Sie fordern jedoch nachdrücklich, dass der revolutionären Agitation auf bulgarischem Boden ein Ende gesetzt wird.[1]

Der jugoslawische Außenminister Nintschitsch (Momčilo Ninčić) lehnte eine Einmischung des Völkerbundes ab, da dessen Autorität auf außergewöhnlich ernste Fälle beschränkt bleiben solle; eine direkte Einigung der beteiligten Staaten sei vorzuziehen.[1] In Sofia wurde die Kollektivnote ruhig aufgenommen.[1] Das bulgarische Blatt Demokratitscheski Sgowor erklärte, man werde als loyaler Mitarbeiter auftreten, sofern die Nachbarstaaten nicht beabsichtigten, Bulgarien zu demütigen.[1] Die offizielle bulgarische Antwortnote werde der Badischen Presse zufolge frühestens im Laufe der nächsten Woche erwartet.[2]