Die seit einiger Zeit öffentlich erörterte Möglichkeit deutsch-belgischer Verhandlungen über die Rückgabe von Eupen-Malmedy sorgt auf internationalem Parkett für erhebliche diplomatische Unruhe.[1] Wie der Pariser Temps aus Brüssel meldet, befürchtet man dort eine systematische Kampagne Deutschlands, um die territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrages infrage zu stellen.[2] Konkret soll Dr. Hjalmar Schacht der belgischen Regierung wiederholt den Vorschlag unterbreitet haben, Eupen und Teile Malmedys an das Reich zurückzugeben. Im Gegenzug würde Deutschland die in Belgien verbliebenen Okkupationsmark einlösen.[1][2]
Nach Berichten des Temps reichen diese Sondierungen bis ins Frühjahr 1925 zurück. Damals wandte sich Schacht an den belgischen Notenbankgouverneur Hautain. Dieser Vorstoß wurde jedoch durch den damaligen Premierminister Georges Theunis und König Albert abgelehnt.[2] Im Dezember desselben Jahres folgte ein weiterer Versuch unter dem Kabinett Poullet-Vandervelde.[2] Bei diesem Versuch soll Schacht die Unterstützung des belgischen Vertreters bei der Reparationskommission, Delacroix, gefunden haben.[1][2] Eine dritte Initiative wird auf den Juli dieses Jahres datiert, da Minister Émile Francqui bestrebt sei, die schwebende Markfrage angesichts drängender belgischer Schulden endgültig zu regeln.[2]
Dem Vorwärts zufolge erscheint diese Entwicklung in einer gewissen Richtung der französischen Politik zutiefst unsympathisch. In Paris wird daher versucht, ihr entgegenzuwirken.[1] Die französische Presse warnt eindringlich, dass eine Rückgabe der fraglichen Gebiete — mit 60.000 Einwohnern, darunter 45.000 deutschsprachige — den Geist der Verträge von Locarno verletzen würde.[2] Regierungskreise in Brüssel betonen zudem, dass die Angelegenheit nicht rein bilateral sei, sondern die alliierten Unterzeichnermächte unmittelbar betreffe.[2] Ein solcher Präzedenzfall berge Konfliktstoff für ganz Europa. Die Möglichkeit finanzieller Kompensationen erscheine angesichts der strengen Transferbestimmungen des Dawes-Planes ohnehin kaum realisierbar.[2]