Der Aufsichtsrat der I. G. Farbenindustrie hat in seiner jüngsten Sitzung in Leverkusen eine gewaltige Ausweitung der finanziellen Basis des Unternehmens beschlossen.[1] Wie das Hamburger Echo meldet, sollen insgesamt 258,4 Millionen Mark an jungen Stammaktien sowie zwei Serien von Vorzugsaktien emittiert werden.[1] Letztere unterteilen sich in 160 Millionen Mark an 6-prozentigen Papieren der Serie A mit einfachem Stimmrecht und 35,6 Millionen Mark an 3-prozentigen Aktien der Serie B. Die Aktien der Serie B gewähren ein zehnfaches Stimmrecht.[1]

Durch diese außerordentliche Transaktion steigt das Aktienkapital des Farbentrusts von bisher 646 Millionen auf rund 1,1 Milliarden Mark.[1] Nach Angaben der Verwaltung dient die Kapitalerhöhung vorrangig der Interessengemeinschaft mit dem Pulverkonzern Köln-Rottweil im Wege des Aktienumtauschs. Auch die hiesige Dynamit-Nobel AG ist davon betroffen.[1] Die Mittel sollen ferner für umfangreiche Neubauten zur Kohlenversorgung der Stickstoffanlagen sowie für die Errichtung einer Kohlenverflüssigungsanlage im mitteldeutschen Merseburg verwendet werden.[1]

Finanzexperten erkennen in dem Schritt — insbesondere wegen der Ausgabe von Mehrstimmaktien — eine Vorbereitung für weitreichende strategische Vorstöße.[1] Der Farbentrust sucht offenbar gezielt die Verbindung mit großen ausländischen Ölgesellschaften, um seine Weltmachtposition weiter auszubauen.[1]