Der 31-jährige Filmschauspieler Rudolph Valentino, der durch seine Leinwanderfolge weltweite Berühmtheit erlangte, ringt nach einem schweren chirurgischen Eingriff mit dem Tode.[1] Wie die amerikanische Presse übereinstimmend meldet, musste er sich am Sonntag einer unerwarteten Doppeloperation unterziehen.[2] Die Ärzte diagnostizierten ein Magengeschwür sowie eine eitrige Blinddarmentzündung.[1][2]
Nach Angaben der Washington Post hat sich infolge des Eingriffs eine lokale Bauchfellentzündung gebildet.[3] Die behandelnden Mediziner äußerten am späten Montagabend ernste Sorge. Sie erklärten, diese Komplikation breite sich häufig auf den gesamten Bauchraum aus und sei in einem solchen Fall nahezu immer tödlich.[3] Erst in 48 bis 72 Stunden könne ein endgültiges Urteil über den weiteren Verlauf gefällt werden.[3]
Im Laufe des Dienstags zeigten sich dennoch erste Anzeichen einer leichten Besserung. Laut der Washington Times verbrachte der Schauspieler eine verhältnismäßig ruhige Nacht im New Yorker Polyclinic-Krankenhaus.[2] Am Vormittag gaben die Ärzte ein Bulletin heraus, dem zufolge sich keine Entwicklung gezeigt habe, die Anlass zu übermäßiger Sorge gäbe.[2] Die Körpertemperatur lag bei 101,5 Grad Fahrenheit, der Puls bei 100 und die Atemfrequenz bei 22.[2] Valentino war sogar in der Lage, den Krankenschwestern für ihre Fürsorge zu danken und ihnen freundschaftlich die Wange zu tätscheln.[3]
Besonders aufmerksam verfolgt er offenbar das Befinden der Schauspielerin Pola Negri, die sich derzeit im fernen Hollywood aufhält.[3] Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde ein Telegramm an sie gesandt, um ihr mitzuteilen, dass es ihm den Umständen entsprechend gut gehe.[2] Valentino bewohnt in der Klinik eine besondere Raumflucht, die unter dem Personal als sogenannte ‚Glückssuite‘ bekannt ist.[2] Dort erholte sich im Jahr 1913 bereits die Schauspielerin Mary Pickford von einer lebensbedrohlichen Erkrankung.[2]
Das große öffentliche Interesse beeinträchtigte den Krankenhausbetrieb merklich. Viele Menschen, darunter zahlreiche junge Frauen, versammelten sich vor dem Gebäude und versuchten, zu dem erkrankten Star vorzudringen.[2] Die Krankenhausleitung sah sich veranlasst, Journalisten, die auf den Fluren eine ständige Todeswache hielten, aus dem Gebäude zu verweisen.[2] Künftig sollen nur noch enge Freunde Zugang zum Kranken erhalten.[2]
Zu den Besuchern zählte am Vormittag die bekannte Darstellerin Norma Talmadge, die von ihrem Ehemann Joseph M. Schenck begleitet wurde.[2] Schenck, Vorsitzender der Filmgesellschaft United Artists, betonte unverhohlen die wirtschaftliche Tragweite eines möglichen tödlichen Ausgangs.[2] Ein Ableben Valentinos würde sein Unternehmen drei bis vier Millionen Dollar kosten.[2] In Filmkreisen setzt man nun auf die robuste Konstitution des Patienten, der den Ärzten zufolge trotz der ernsten Lage einen unbändigen Lebenswillen zeigt.[2][3]