Die preußische Staatsregierung hat weitreichende Maßnahmen zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit im Baugewerbe eingeleitet. Nach Angaben des Harburger Tageblatts wurde beschlossen, einen Kredit in Höhe von 60 Millionen Mark aufzunehmen.[1] Diese erheblichen Mittel sollen in Form sogenannter Hauszinssteuerhypotheken für die Schaffung neuer Wohnungen verwendet werden.[1] Die Verteilung der Gelder wird den Gemeinden und Gemeindeverbänden übertragen. In Berliner Regierungskreisen rechnet man damit, das diesjährige Bauprogramm in Preußen um wenigstens 12.000 Wohnungen erweitern zu können.[1]
Parallel zu den preußischen Vorstößen befasst sich das Reich intensiv mit der produktiven Erwerbslosenfürsorge. Wie das Berliner Tageblatt berichtet, trat der volkswirtschaftliche Ausschuss des Reichstages zusammen, um den Stand des staatlichen Arbeitsbeschaffungsprogramms zu erörtern.[2] Ein vor einiger Zeit bereitgestellter Baukredit des Reiches über 200 Millionen Mark für erste Hypotheken wurde wegen seiner Kurzfristigkeit kaum in Anspruch genommen. Die Regierung beabsichtigt nun, diese Gelder für zweite Hypotheken freizugeben.[2] Ein besonderes Augenmerk gilt ferner dem Bau von Wohnungen für Landarbeiter.[2] Hierfür sollen Reich und Länder jeweils 50 Millionen Mark als zinslose Darlehen mit zehnjähriger Tilgungsfrist zur Verfügung stellen.[2] Das Kabinett erhofft sich davon insbesondere eine stärkere Ansiedlung heimischer Kräfte, um die Zahl der ausländischen landwirtschaftlichen Arbeiter von 180.000 auf 100.000 herabsetzen zu können.[2]
Auch auf kommunaler Ebene zeigen sich bereits konkrete Auswirkungen der verstärkten Bautätigkeit. So meldet die Kölnische Zeitung, dass die Stadtverordneten in Essen für die Errichtung einer Gartenstadtsiedlung am Musenberg bis zu zwei Millionen Reichsmark bewilligt haben.[3] Dort sollen nach einem einheitlichen Plan 93 Häuser mit 105 Wohnungen entstehen, die den künftigen Mietern zu einem erschwinglichen Zins überlassen werden.[3] Begleitet wird diese Belebung des Baumarktes durch umfangreiche Infrastrukturprojekte, darunter die Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn und ein erweitertes Bauprogramm der Reichsbahn. Dafür wurde dem Vernehmen nach ein langfristiger Kredit von 100 Millionen Mark bereitgestellt.[2] In Verbindung mit den Ländern wird zudem ein umfassendes Straßenbauprogramm vorbereitet, das auf zehn Jahre angelegt ist und die Neuanlage von 50.000 Kilometern Strecke vorsieht.[2]