Zwischen der italienischen und der spanischen Regierung ist ein weitreichendes Freundschaftsabkommen geschlossen worden, das die diplomatische Landschaft Südeuropas tiefgreifend verändern dürfte. Das Vertragswerk, das nach längeren Vorverhandlungen zustande kam, stellt die Beziehungen beider Länder auf eine neue vertragliche Grundlage. Es hat in den übrigen europäischen Hauptstädten erhebliches Aufsehen erregt. Das Abkommen sieht ein formelles Schiedsgerichtsverfahren für künftige Streitigkeiten vor und verpflichtet beide Mächte zu strikter und wohlwollender Neutralität, falls einer der Partner von einer dritten Macht angegriffen werden sollte.
In politischen Kreisen wird der Pakt als ein deutlicher Versuch der autoritären Regierungen unter Benito Mussolini und Miguel Primo de Rivera gewertet, ihre diplomatische und strategische Position im Mittelmeerraum zu festigen. Besonders in Frankreich beobachtet man die Annäherung der beiden Staaten mit Sorge. Dort befürchtet die politische Führung eine neue Interessengemeinschaft, die sich gegen die französische Vormachtstellung in Nordafrika — insbesondere in der heiklen Frage der internationalen Tanger-Zone — richten könnte. Die Ratifizierung des Abkommens fällt zudem in eine kritische Phase der internationalen Völkerbundpolitik. Madrid fordert seit Langem einen ständigen Sitz im Völkerbundrat und droht offen mit dem Austritt aus der Genfer Liga, falls diese Forderung durch die übrigen europäischen Mächte unerfüllt bleibt. Ein diplomatischer Rückhalt aus Rom verschafft der spanischen Regierung in diesem Völkerbundkonflikt eine günstigere Position.
Trotz der weitreichenden politischen Implikationen dieses Paktes zeigten sich die internationalen Finanzmärkte von den diplomatischen Verschiebungen unbeeindruckt. Wie die Kölnische Zeitung berichtet, stand die Börse in London vor allem unter dem Eindruck der günstigen Erwartungen bezüglich der heimischen Kohlenlage, sodass der Verkehr trotz einer festen Grundstimmung ruhig blieb.[1] Ausländische Anleihen notierten an der Themse unregelmäßig, während sich britische Staatspapiere im Allgemeinen gut behaupten konnten.[1]