Nach fast halbjährigen Verhandlungen ist am späten Dienstagabend in Athen ein Bündnis- und Freundschaftsvertrag zwischen Griechenland und Südslawien unterzeichnet worden.[1][2] Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, handelt es sich um einen Defensiv- und Freundschaftspakt, der durch ein Handelsabkommen flankiert wird.[3] Nach Berichten des Pariser Figaro umfassen die Abmachungen insgesamt vier Konventionen. Durch diese sollen schwebende Fragen zwischen Athen und Belgrad endgültig geregelt werden.[4]
Das neue Bündnis knüpft an den Vertrag von 1913 an, den Belgrad vor rund einem Jahr gekündigt hatte.[1] Damals waren die bilateralen Gespräche in eine Sackgasse geraten. Griechenland hatte weitgehende südslawische Forderungen — darunter die Übergabe der Bahnstrecke zwischen Gewgeli und Saloniki in südslawische Verwaltung sowie weitreichende Hoheitsrechte im Hafen von Saloniki — strengstens abgelehnt.[1] Dem Vorwärts zufolge begnügt sich Südslawien nun mit einer Vergrößerung seiner Freizone in Saloniki und verzichtet darauf, das dortige Hafendirektorium unter eigene Hoheit zu bringen.[1] Zwar verbleibt die wichtige Bahnstrecke unter griechischer Verwaltung, doch erhält Belgrad das Recht, plombierte Waggons ohne griechische Kontrolle abzufertigen.[1] Da nahezu der gesamte Warenverkehr auf dieser Route ohnehin nach Südslawien fließt, kommt Belgrad eine entscheidende Stellung an der Strecke zu.[1]
Ein weiterer Kernpunkt ist die Behandlung der slawischen Minderheiten in Griechisch-Mazedonien, die rund ein Drittel der dortigen Bevölkerung stellen.[1] Griechenland räumt Südslawien nun ein gewisses Aufsichtsrecht ein.[1] Die politische Stoßrichtung dieses Zugeständnisses ist offenkundig: Belgrad will damit den Eindruck erwecken, dass in der Region nicht eine bulgarische, sondern eine serbische Minderheit lebt.[1] Das Hamburger Echo weist auf die europäische Tragweite des Abkommens hin: Jahrelang habe die Politik Italiens ein solches Bündnis zu hintertreiben versucht.[2] Nun, da es besiegelt ist, zeigt es eine deutliche Front gegen Mussolini und das von Rom protegierte Bulgarien.[2] In Londoner Regierungskreisen wird die Einigung als entscheidender Schritt zur Sicherung des Balkans begrüßt.[1] Der Vertrag stärkt beide Staaten nach außen und könnte die Grundlage für einen umfassenderen Balkanpakt bilden, dem von rumänischer Seite nun kaum noch Hindernisse entgegenstehen dürften.[1]