Die Ermittlungen zur brutalen Ermordung von Don R. Mellett, dem engagierten Herausgeber der Canton News, haben eine neue, unerwartete Richtung genommen und offenbaren zunehmend die tiefgreifende Korruption in den Behörden der Stadt Canton im Bundesstaat Ohio.[1] Wie die Washington Post meldet, wurde der ehemalige Polizeianwalt der Stadt, Norman Clark, am gestrigen Abend in seinem Haus festgenommen.[1] Grundlage war ein Haftbefehl wegen Verschwörung zur Verletzung der Prohibitionsgesetze.[1] Dieser Haftbefehl war zuvor heimlich von Bundesstaatsanwalt A. E. Bernsteen in Cleveland ausgestellt worden.[1]

Die entscheidenden und schwerwiegenden Informationen, die zu Clarks Verhaftung führten, stammen ausgerechnet von Louis Mazer, einem bekannten Kopf der örtlichen Unterwelt.[1] Gegen Mazer liegt in Canton bereits ein förmlicher Haftbefehl wegen Mordes an dem Verleger Mellett vor.[2] Mazer befindet sich derzeit unter strenger Bewachung in Cleveland in Bundesgewahrsam. Dort verantwortet er sich gemeinsam mit einem weiteren Unterweltführer, Carl Studer, wegen massiver Verstöße gegen das Alkoholverbot.[1]

Dem Evening Star zufolge sagte Mazer bei den stundenlangen Vernehmungen aus, dass Polizeianwalt Clark in der Vergangenheit systematisch Bestechungsgelder angenommen habe.[2] Konkret habe Clark im vergangenen Sommer 25 Dollar sowie zwei Flaschen Whisky erhalten.[1] Als Gegenleistung für diese Gefälligkeit habe der Beamte die Freigabe eines von der Polizei in Canton beschlagnahmten Automobils veranlasst, das Mazer gehörte.[1] Darüber hinaus wirft der Syndikatschef dem Juristen vor, Kautionsurkunden für inhaftierte Mitglieder des kriminellen Milieus fiktiv unterzeichnet und bei verschiedenen Gelegenheiten verbotene Spirituosen entgegengenommen zu haben.[2]

Bemerkenswert ist das Motiv für Mazers überraschende Aussagebereitschaft. Nach Angaben der Bundesermittler machte er seine weitreichenden Geständnisse erst, nachdem Clark ihn verbal attackiert und mit dem Tod bedroht hatte.[1] Clark habe offenbar befürchtet, Mazer würde sich gegenüber Dritten zu freimütig über die tatsächlichen Hintergründe im Mordfall Mellett äußern.[1]

Die Bundesbehörden in Cleveland setzen im weiteren Verlauf ihre Prioritäten in diesem Fall neu. Nach Angaben der Washington Post erklärte Staatsanwalt Bernsteen, er werde sich aus der eigentlichen Morduntersuchung zurückziehen und sich ausschließlich um die Bekämpfung der Korruption und der Verstöße gegen die Prohibitionsgesetze in Canton kümmern.[1] Bernsteen beabsichtigt, am Freitag zu einem Angelurlaub nach Kanada aufzubrechen.[2] Er hat jedoch seinem Assistenten Howell Leuck die ausdrückliche Anweisung erteilt, in Canton weiter entschlossen vorzugehen.[2]

Die lokalen Ermittler sollen sich nunmehr auf das Tötungsdelikt konzentrieren. Leuck wird ihnen jede sachdienliche Information übermitteln, die das Verfahren um den getöteten Journalisten betrifft.[2] Bernsteen betonte, er verfüge über ausreichendes Beweismaterial, um eine Anklage gegen Mazer und Studer wegen illegalen Alkoholhandels zu erwirken.[1] Zugleich äußerte er Zweifel daran, dass es in absehbarer Zeit gelingt, Mazer zu einem Geständnis im Mordfall Mellett zu bewegen.[1]

Während die Justiz die kriminellen Netzwerke untersucht, bereiten die Behörden im Bezirk Stark weitere Maßnahmen vor. Nach Berichten des Evening Star steht die Ausstellung neuer Haftbefehle gegen Ben Kudner aus Massillon und Patrick Eugene McDermott aus Nanty Glo bevor.[2] Die Kriminalpolizei nimmt an, dass das Mordkomplott an Mellett und die illegalen Alkoholgeschäfte eng miteinander verknüpft sind.[2] Nach McDermott wird bereits seit fast drei Wochen intensiv gefahndet.[2] Er soll sich von Washington in seine Heimatstadt begeben haben, um über seine Brüder eine freiwillige Übergabe an Kriminalinspektor Ora Slater, den Leiter der lokalen Mordkommission, zu arrangieren.[2] Um die tatsächlichen Hintermänner der Bluttat zu fassen, hat Bezirksstaatsanwalt McClintock eine weitgehende Übereinkunft getroffen: Sollte McDermott nicht an dem Mordkomplott beteiligt gewesen sein und sein gesamtes Wissen preisgeben, wird ihm vollständige Straffreiheit zugesichert.[2] Belastet er sich selbst, so erhält er zumindest Immunität vor dem elektrischen Stuhl.[2]