Das hiesige Oberpräsidium hat hart gegen extremistische Publikationen durchgegriffen. Wie die Wiener Zeitung meldet, wurde die Stahlhelmzeitschrift Die Standarte durch behördliche Verfügung zunächst für die Dauer von drei Monaten verboten.[1] Den Anlass für diese drastische Maßnahme der Staatsmacht bot ein kürzlich erschienener Artikel, in dem die Mörder der Minister Walther Rathenau und Matthias Erzberger offen verherrlicht worden waren.[1] Gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes ist wegen dieses eklatanten Verstoßes — wie auch in ähnlichen Fällen der jüngeren Vergangenheit — umgehend Strafantrag gestellt worden.[1] Im gleichen Zuge erfuhr auch die kommunistische Tribüne ein vierzehntägiges Verbot, das direkt auf die Bestimmungen des Gesetzes zum Schutze der Republik gestützt wurde.[1]
Die Vorfälle ziehen unterdessen weitere juristische Schritte nach sich. Nach Angaben des Westfälischen Merkur wurde auch gegen den Schriftleiter der Hauptzeitschrift Stahlhelm ein Strafantrag bei der zuständigen Oberstaatsanwaltschaft eingereicht.[2] Dieser hatte in der Ausgabe vom 11. August einen Beitrag veröffentlicht, der die geltende Reichsverfassung in beispielloser Weise herabsetzte.[2] Der inkriminierte Text gipfelte in der unmissverständlichen Feststellung, dass der Weg zur deutschen Freiheit einzig und allein über die Leiche der Weimarer Verfassung führen könne.[2]
Diese massiven publizistischen Ausfälle stoßen im bürgerlichen Lager auf scharfe Ablehnung. Dem Westfälischen Merkur zufolge verweist die Nationalliberale Korrespondenz mahnend auf einen Beschluss des Reichsausschusses der Deutschen Volkspartei, der seinerzeit unmittelbar nach dem Rathenau-Mord gefasst worden war.[2] Darin heißt es ausdrücklich: „Wir sind der Überzeugung, dass der Wiederaufbau Deutschlands nur auf dem Boden der republikanischen Staatsverfassung möglich ist.“[2] In der Presse wird betont, dass eine derartige staatstragende Haltung unvereinbar mit dem fanatischen Eifer und dem Geist der Mörderverherrlichung ist, wie sie die Kreise des Stahlhelms derzeit an den Tag legen.[2] Man hofft in parlamentarischen Kreisen, dass die bestehende Arbeitsgemeinschaft der Mittelparteien erhalten bleibe und eine hinreichend starke Abwehrfront gegen jene Kräfte bilde, die sich selbst als Vortrupps einer neuen Revolution begreifen.[2]