Die Zensurbehörden haben erneut gegen ein Werk der sowjetrussischen Filmkunst eingegriffen. Wie der Vorwärts unter Berufung auf die Mannheimer Arbeiter-Zeitung meldet, ist der neue russische Großfilm „Sein Mahnruf“ in letzter Stunde verboten worden.[1] Die Vorführung des Werkes war in den Lichtspielhäusern bereits angekündigt, wurde jedoch überraschend und kurzfristig durch behördliche Anordnung untersagt.[1]

Das Vorgehen der Zensur erregt besonderes Aufsehen, da der Streifen aus derselben Produktion stammt wie der weithin bekannte Film „Panzerkreuzer Potemkin“.[1] Die zuständigen Stellen befürchten offenbar, dass auch das neue Werk eine politisch aufwühlende Wirkung entfalten könnte. Dass ein Film unmittelbar vor der Aufführung gestoppt wird, zeigt, wie streng die Filmprüfstellen bei Importen aus der Sowjetunion verfahren.

In der Arbeiterschaft dürfte das plötzliche Verbot auf scharfe Kritik stoßen. Eine ausführliche inhaltliche Begründung der Behörden liegt bislang nicht vor, der Vorwärts veröffentlicht lediglich die knappe Mitteilung der Absetzung.[1] Die politische und künstlerische Verwandtschaft zum „Panzerkreuzer Potemkin“ — jenem Werk, das bereits zuvor die Zensoren im ganzen Reich beschäftigte — war wahrscheinlich ausschlaggebend für das entschiedene Eingreifen in Mannheim.[1]