Laut dem Pariser Figaro greift die italienische Regierung zu einschneidenden Maßnahmen in der nationalen Ernährungspolitik.[1] Ein am Morgen in der Hauptstadt veröffentlichtes Regierungsdekret ordnet an, dass Italien bereits ab dem 1. September offiziell zum sogenannten ‚Kriegsbrot‘ zurückkehren wird.[1] Das französische Blatt beruft sich auf offizielle Verlautbarungen aus Rom. Nach diesen werden die neuen Backvorschriften für das gesamte Land bindend in Kraft treten.[1] Die Verordnung bedeutet eine erhebliche Umstellung für die Bevölkerung. Die Regierung reagiert damit auf wirtschaftliche Notwendigkeiten und stellt faktisch einen Zustand wieder her, der zuletzt während der schweren Jahre des Weltkriegs geherrscht hatte.[1] Weitere Einzelheiten über die genaue technische Zusammensetzung des künftigen Mehls bleiben noch abzuwarten. Die erste Bekanntmachung verfügt lediglich die grundsätzliche Einführung des Regimes.[1]
Italien führt wieder ‚Kriegsbrot‘ ein
Regierungsdekret in Rom veröffentlicht — Rückkehr zur Bewirtschaftung ab September
Rom, 22. August.
Historische Einordnung
Die Wiedereinführung des 'Kriegsbrotes' (oft als Einheitsobrot umgesetzt) im Jahr 1926 war ein zentraler Bestandteil der von Benito Mussolini ausgerufenen 'Schlacht um das Getreide' (Battaglia del grano). Das faschistische Regime versuchte mit diesen Maßnahmen, die italienische Wirtschaft autark zu machen und teure Weizenimporte aus dem Ausland zu drosseln. Dem Mehl mussten staatlich verordnet andere Getreidesorten beigemischt werden, um den Verbrauch von reinem Weizen zu senken. (Hinweis: Die Zuordnung dieses Ereignisses zum Datum 22. August 1926 ist historisch nicht durch die vorliegenden Referenzdaten belegt.)
- Le Figaro (Gallica (BnF)) 1926-08-22