Die finnische Regierung hat sich nunmehr bereit erklärt, in direkte Verhandlungen mit der Sowjetunion über den Abschluss eines Nichtangriffspaktes einzutreten.[1] Wie das Helsingin Sanomat berichtet, wolle man sich in Helsingfors nicht dem Vorwurf aussetzen, ein formelles Hindernis für die Friedenssicherung zu bilden.[1] Zwar hätte die finnische Republik ein multilaterales Abkommen aller beteiligten Randstaaten bevorzugt, um eine gemeinsame Basis gegenüber dem Moskauer Vorstoß zu finden.[1] Ein solches gemeinsames Abkommen erschien den Verantwortlichen zweckmäßiger. Dabei ging es nicht um den Schutz vor einem dritten Angreifer, sondern um die Verpflichtung der Vertragsstaaten, einander nicht zu bedrohen und künftige Differenzen auf friedlichem Wege auszuräumen.[1] Dennoch hat man den sowjetischen Forderungen nach bilateralen Sonderverhandlungen nachgegeben, nachdem Moskau unnachgiebig auf diesem Format beharrt hatte.[1]
Der stellvertretende finnische Außenminister Ingman betonte in seiner Antwortnote an den sowjetischen Vertreter ausdrücklich, dass sich Finnland die volle Handlungsfreiheit vorbehalte, um mit jenen Staaten in Verbindung zu bleiben, die ebenfalls in Paktverhandlungen mit Moskau stehen.[1] Ein ähnlicher Schritt erfolgte unterdessen in Reval: Der estnische Außenminister überreichte dem dortigen Sowjetvertreter ein Memorandum. Auch dieses erklärt die Bereitschaft zu direkten Verhandlungen und behält sich die Fühlungnahme mit den Nachbarstaaten ausdrücklich vor.[1]
Ein besonderes Augenmerk der Diplomatie gilt der Frage der Ålandinseln.[1] Von sowjetischer Seite wurde der Wunsch geäußert, im Zuge der Besprechungen auch eine Einigung über die Inselgruppe zu erzielen, da Moskau befürchtet, eine dritte Macht könnte das Gebiet als militärischen Stützpunkt nutzen.[1] Finnische Regierungskreise verweisen in diesem Zusammenhang auf das bereits bestehende, beim Völkerbund registrierte Abkommen, das die Neutralität der Ålandinseln verbrieft.[1] Fast alle europäischen Großmächte mit Ausnahme Russlands verpflichteten sich darin, die militärische Neutralität der Inseln zu respektieren, weshalb Finnland auf Befestigungen verzichtete.[1] Ein Beitritt Moskaus zu diesem internationalen Instrument werde als ausreichend erachtet. Gesonderte Zugeständnisse, die dem geltenden Vertrag zuwiderliefen, schließt Helsingfors jedoch kategorisch aus.[1]
In der finnischen Öffentlichkeit wird darüber diskutiert, ob die Sicherheitspaktverhandlungen mit wirtschaftlichen Abkommen verknüpft werden sollten.[1] Die inländische Presse hatte angeregt, die sicherheitspolitischen Gespräche als Hebel für handelspolitische Vorteile zu nutzen, während Meldungen aus Riga besagen, dass Russland seinerseits mit günstigen Handelsperspektiven locke.[1] In Regierungskreisen vertritt man allerdings den Standpunkt, die diplomatischen Ebenen müssten strikt getrennt bleiben.[1] Ein Nichtangriffspakt sei keine zwingende Voraussetzung für einen Handelsvertrag, da die politischen Beziehungen der beiden Staaten ohnehin durch den Frieden von Dorpat geregelt seien.[1]