In Kolmar kam es am Sonntagnachmittag zu schweren Zusammenstößen, als Anhänger der autonomistischen Bewegung eine Protestversammlung abhalten wollten.[1] Die Kundgebung richtete sich gegen die staatlichen Maßnahmen, die jüngst gegen die Unterzeichner des sogenannten Heimatbund-Manifestes verhängt worden waren.[2][1] Wie die Badische Presse berichtet, sollte die groß angelegte öffentliche Veranstaltung gegen 14.45 Uhr beginnen. Auch Kommunisten und Vertreter elsässischer katholischer Gruppen hatten ihre Teilnahme zugesagt.[1][3]
Jedoch hatten patriotische Verbände — allen voran die Action Française, ehemalige Kriegsteilnehmer und Faschisten — den Versammlungssaal bereits frühzeitig besetzt.[2][1] In der Folge entspann sich, laut der Sächsischen Staatszeitung, eine regelrechte Schlacht. Besonders erbittert wurde sie mit den Kommunisten geführt.[1] Der Präsident des Heimatbundes, Dr. Ricklin, wurde schon bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof erkannt. Er wurde mit Schmährufen überschüttet und tätlich angegriffen.[2][1][3] Nach Berichten der Neuen Freien Presse misshandelten Teilnehmer zudem mehrere Deutsche, die in Kolmar ihre Ferien verbrachten oder einen Ausflug von Breisach aus unternommen hatten.[2]
Schließlich ließ die Polizei das Versammlungslokal schließen. Daraufhin formierten sich die patriotischen Verbände zu einem Demonstrationszug und durchzogen unter den Klängen der Marseillaise die Stadt.[2] Die Sicherheitskräfte nahmen acht Personen fest; zehn Teilnehmer wurden bei den Ausschreitungen verwundet.[2][1]