Der Reichspräsident ist am gestrigen Sonntagmorgen mit dem fahrplanmäßigen Berliner Schnellzug in München eingetroffen.[1] Auf der Durchreise zu seinem bayerischen Ferienaufenthalt befanden sich in seiner Begleitung lediglich sein Sohn sowie sein Adjutant, Major von Hindenburg.[1] Da ein offizieller Empfang nicht vorgesehen war, hatten sich auf dem Bahnhof lediglich Regierungsrat Wallraf von der Münchener Reichsvertretung, Oberbahnrat Münz von der Reichsbahn und Regierungsrat Bernreuther von der Münchener Polizeidirektion zur Begrüßung eingefunden.[1]

Nach einem kurzen Aufenthalt in der bayerischen Landeshauptstadt setzte der Reichspräsident die Fahrt nach Thann-Matzbach fort. Dort wurde er von Forstrat Dr. Escherich erwartet.[1] Gemeinsam fuhr man nach Isen auf die Besitzung des Forstrats.[1] Die im Vorfeld mehrfach geäußerte Vermutung, der Besuch des Reichspräsidenten gelte General Ludendorff, hat sich somit nicht bestätigt.[2][1]

Der Aufenthalt bei Dr. Escherich ruft in republikanischen Kreisen jedoch erhebliche Befremdung hervor. Wie der Vorwärts betont, handelt es sich bei dem Gastgeber um den Organisator der Orgesch und um einen der führenden Männer aus der Landesleitung der bayerischen Einwohnerwehr.[2] Das sozialdemokratische Blatt erinnert daran, dass diese Organisation — deren Rolle beim Novemberputsch noch immer in allgemeiner Erinnerung geblieben ist — den zweiten bayerischen Rechtsputsch ins Werk setzte.[2] Auf das Konto jener Kreise gehen zudem die bayerischen Fememorde, für die noch immer Sühne erwartet wird.[2] Laut dem Vorwärts wird kein Republikaner Verständnis dafür aufbringen können, dass das Staatsoberhaupt der Republik einem solchen Mann seine Aufwartung macht.[2]

Gegen halb vier Uhr nachmittags trat der Reichspräsident die Rückfahrt nach München an, wo ihn am Bahnhof der Reichsgesandte von Haniel begrüßte.[1] Im Anschluss begab er sich nach Dietramszell, um dort als Gast der Frau von Schilcher seinen Urlaub zu verbringen.[1]