Ein erschütterndes Familiendrama, das seinen Ursprung in der Sorge um ein verführtes Kind hat, spielte sich am Samstagabend im Berliner Osten ab. Wie der Vorwärts berichtet, verübte die 38 Jahre alte Näherin Agnes Simon gegen 19 Uhr ein Salzsäureattentat auf ihren geschiedenen Ehemann, den Dentisten Adolf Simon.[1] Dieser betreibt seine Praxis in der Großen Frankfurter Straße 91. Seine frühere Frau wohnt ebenfalls in dieser Straße.[1][2]

Die Hintergründe der Tat bilden den tragischen Schlussakt eines familiären Zerwürfnisses. Bereits im Juli war die Tochter der Geschiedenen in die Fänge einer Kupplerin geraten.[1][2] Um sich dem verderblichen Einfluss dieser Frau zu entziehen, sprang das Mädchen im Kaffee Vaterland in panischer Angst vom Balkon des ersten Stockwerks auf die Straße. Dabei zog sie sich schwerste Verletzungen zu.[1][2] Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung machte Frau Simon den Vater für das Abgleiten der Tochter verantwortlich.[2] Ihr Zorn steigerte sich, als sie erfuhr, dass das Mädchen nun einer Fürsorgeerziehung übergeben werden sollte. Dies führte schließlich zu einem verhängnisvollen Entschluss.[2]

Am Samstagabend stellte die Näherin fest, dass ihr früherer Mann eine Konditorei unweit seiner Wohnung aufgesucht hatte.[2] Sie folgte ihm unbemerkt dorthin, füllte Salzsäure aus einer mitgebrachten Flasche in eine Tasse und schüttete die ätzende Flüssigkeit dem Dentisten überraschend ins Gesicht.[1][2] Der Überfallene brach schreiend vor Schmerzen zusammen; die Substanz hatte vor allem seine Augen getroffen.[1][2]

Während der allgemeinen Aufregung im Lokal konnte die Täterin zunächst entkommen.[1][2] Sie begab sich jedoch kurze Zeit später zum 89. Polizeirevier in der Koppenstraße und stellte sich den Behörden zur Verfügung.[1][2] Der schwerverletzte Dentist wurde umgehend in seine nahegelegene Wohnung gebracht, wo er sich derzeit in ärztlicher Behandlung befindet.[1][2] Die Ärzte befürchten, dass die Sehkraft zumindest seines linken Auges für immer verloren ist.[1][2]