In den diplomatischen Kreisen der Reichshauptstadt wird außerordentlich bedauert, dass ein Erfolg der deutsch-belgischen Verhandlungen durch das Dazwischentreten dritter Mächte stark in Frage gestellt ist.[1] Wie man versichert, wird es an Versuchen der Reichsregierung jedoch nicht fehlen, die offiziellen Besprechungen über Eupen-Malmedy weiterzuführen und doch noch zu einem guten Abschluss zu bringen.[1]

Unterdessen veranstaltet die französische Presse eine lärmende Kampagne um das Schicksal der abgetrennten Gebiete.[2] In Berichten wird von einer geradezu fantastischen Summe von zwei Milliarden Mark gesprochen, die Deutschland angeblich als „Kaufpreis“ für Eupen-Malmedy geboten haben soll.[3][2] Dem Figaro zufolge wird angesichts dieses vermeintlichen deutschen Geldüberflusses ganz offen gefordert, man könne wohl damit rechnen, dass zugunsten Frankreichs gewisse Erleichterungen der Transferbestimmungen durchgeführt werden.[3]

Die tatsächlichen Gegebenheiten stellen sich indes anders dar.[3] Dass Deutschland gar nicht in der Lage wäre, einen derartigen Milliardenbetrag aufzubringen, bedarf keiner weiteren Erläuterung.[2] Vielmehr handelte es sich bei den deutsch-belgischen Besprechungen um eine Finanztransaktion in Höhe von etwa 250 Millionen Mark. Dieser Betrag sollte im Rahmen eines großen internationalen Sanierungswerks für Belgien aufgebracht werden.[3][2]

Die geplante Konstruktion sah vor, dass das Rheinland eine sogenannte Befreiungsanleihe auflegt, die den üblichen kommunalen Anleihen gleichgestellt gewesen wäre.[3][2] Eine solche Anleihe hätte mit den Finanzen des Reiches nichts zu tun gehabt. Aus Reichsmitteln wäre nicht eine einzige Mark geflossen.[3] Ferner war eine autonome Kreditaktion der Reichsbank vorgesehen, die der Stabilisierung der belgischen Währung zugutekommen sollte.[3][2] Es wäre jedoch verfehlt, von dieser unabhängigen Finanzgebarung der Reichsbank auf einen angeblichen Geldüberfluss in den amtlichen Kassen des Reiches zu schließen.[2] Die ausgeweiteten Meldungen jenseits des Rheins verfolgen vielmehr das Ziel, für Frankreich aus der deutsch-belgischen Annäherung diplomatischen und finanziellen Vorteil zu ziehen.[3][2]