Wie der Petit Parisien aus Konstantinopel berichtet, sind nach Meldungen der türkischen Presse weitreichende diplomatische Schritte im Nahen Osten eingeleitet worden.[1] Zwischen der Sowjetunion, der Türkei und Persien finden gegenwärtig Verhandlungen statt, die auf den Abschluss eines umfassenden, dreiseitigen Neutralitätsabkommens abzielen.[1] Der Kernpunkt dieses Vertrages ist die verbindliche Zusage der drei Staaten, sich keinesfalls gegenseitig im Stich zu lassen, falls einer von ihnen — deutlich gesagt — von Italien oder Großbritannien militärisch angegriffen werden sollte.[1] Die Vertragspartner erwägen außerdem eine vertiefte Vereinbarung über eine aktive gemeinsame Beistandspflicht für den Fall eines solchen Konflikts.[1]

Für die Regierung in Angora gewinnt eine derartige ostpolitische Absicherung zusätzlich an Dringlichkeit, nachdem die türkisch-griechischen Verhandlungen in eine unerwartete Sackgasse geraten sind.[2] Dem Bericht der Sächsischen Staatszeitung zufolge wurden die bilateralen Gespräche zur Regelung der brennenden Flüchtlingsfrage kürzlich wegen schwerwiegender Differenzen vollständig abgebrochen.[2] In türkischen Regierungskreisen führt man diesen Rückschlag auf den neuen griechisch-jugoslawischen Freundschaftsvertrag zurück. Dieser habe Athen offenbar zu einer unnachgiebigeren Haltung ermutigt.[2]

Die Position der persischen Regierung am Verhandlungstisch wird derweil durch erhebliche innere Unruhen spürbar erschwert.[1] Wie der Vorwärts meldet, sieht sich Riza Chan mit neuen, gefährlichen Aufständen in Südostpersien konfrontiert.[1] Die Aufständischen werden von Dost Mohammed Chan angeführt, der als ungekrönter König der Belutschen gilt und auf persischem Territorium eine reguläre Streitmacht von rund 20.000 Mann befehligt.[1] Die Regierung in Teheran steht zudem vor der Herausforderung, dass neben diesem Aufstand auch in Kurdistan Unruhen aufflammen. Dies zwingt sie zu äußerster Vorsicht auf dem internationalen Parkett.[1]