Im Vorfeld der für Mitte September anberaumten Süd-Pazifik-Handelskonferenz hat Japan eine tiefgreifende Neuorientierung seiner Auswanderungspolitik angekündigt.[1][2] Wie der Hong Kong Telegraph meldet, erklärte ein Sprecher des japanischen Außenministeriums, die Regierung habe die Zwecklosigkeit der bisherigen Bestrebungen erkannt, die eigene Bevölkerung in Länder zu entsenden, in denen sie offenkundig nicht erwünscht sei.[2] Tokio beabsichtigt daher, künftig keine staatlich geförderten Auswanderer mehr nach Australien, Kanada oder in andere angelsächsische Überseestaaten zu schicken, da dieser Kurs in der Vergangenheit erhebliche diplomatische Verstimmungen verursacht habe.[1][2]
Stattdessen plant das Kaiserreich, die Erschließung der eigenen Gebiete rigoros voranzutreiben. Dem Hamburger Echo zufolge sollen künftige Siedlungsprogramme vor allem auf die Nordinsel Hokkaido sowie auf Formosa (Taiwan) und andere japanische Besitzungen konzentriert werden.[1] Eine entsprechende Gesetzesvorlage für die Besiedlung Hokkaidos wird dem Parlament in der kommenden Sitzungsperiode zur Abstimmung vorgelegt.[1] Parallel dazu rückt eine verstärkte Exportoffensive in den Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik. Um den Handel im südpazifischen Raum massiv auszubauen, fordert die Regierung die Industriellen auf, die Produktionskosten zu senken und die Qualität der Waren zu steigern.[1][2]
In diplomatischen Kreisen wird diese außenpolitische Wende als eine ausgesprochene „Friedenserklärung“ an die pazifischen Mächte — insbesondere an die britischen Dominions — gewertet.[1] Dass die Vereinigten Staaten in den offiziellen Verlautbarungen unerwähnt bleiben, wird als bewusste Konzession an die nationalistische Empfindlichkeit innerhalb Japans gewertet.[1] Die russisch-japanischen Beziehungen bleiben von diesem Kurswechsel gänzlich unberührt, da die Zusammenarbeit beider Staaten in den asiatischen Fragen seit dem Pekinger Vertrag von 1925 fest verankert ist und kein Grund für einen Bruch vorliegt.[1]