Die Bildung des internationalen Eisen- und Metallkartells rückt unweigerlich in den Mittelpunkt der politischen Entscheidungen in der belgischen Hauptstadt. Wie die Badische Presse meldet, trat in Brüssel ein Kabinettsrat zusammen, der sich eingehend mit der geplanten Gründung des franko-deutsch-belgischen Syndikats beschäftigte.[1] Dem Harburger Tageblatt zufolge nahm der Ministerrat während dieser Sitzung einen ausführlichen Bericht des Wirtschaftsministers über den aktuellen Stand der schwierigen Verhandlungen der westlichen Eisenindustrien entgegen.[2]
Die Haltung der heimischen Schwerindustrie bereitet der Regierung in Brüssel offenkundig erhebliche Sorge. Der belgische Ministerrat drückte sein ausdrückliches Bedauern über die anhaltende Uneinigkeit in den Reihen der belgischen Industriellen aus.[2] Um den Beitritt belgischer Unternehmen zum Kartell noch zu ermöglichen, beschloss das Kabinett, aktiv zu intervenieren.[2] Die Regierung erwägt, unmittelbar an die Industrie heranzutreten. Dadurch soll diese veranlasst werden, eine Haltung einzunehmen, die das endgültige Zustandekommen des internationalen Zusammenschlusses sichert.[1]
Die Bemühungen um das europäische Eisenkartell fallen in eine Periode ernster wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Die fortgesetzte Steigerung des allgemeinen Preisniveaus im Lande lässt trotz der gegenwärtig stabilen Haltung des Franken keine spürbare Erleichterung der angespannten Wirtschaftslage aufkommen.[1] Verschiedene Industriezweige mussten bereits einen weiteren Rückgang ihres Beschäftigungsgrades verzeichnen.[1] So sahen sich in letzter Zeit in Brüssel allein 600 Druckereien gezwungen, ihre Arbeit vollständig einzustellen. Die Zahl der Arbeitslosen ist weiterhin im Wachsen begriffen.[1] In Regierungskreisen befürchtet man, dass sich die Erwerbslosigkeit in den folgenden Monaten noch erheblich vermehren wird.[1] Ein ordnender Eingriff in die Produktionsverhältnisse der europäischen Schwerindustrie erscheint den belgischen Verantwortlichen unter diesen Umständen als unverzichtbarer Schritt.[1][2]