Die politische Lage in der Freien Stadt spitzt sich bedrohlich zu. Wie das Berliner Tageblatt meldet, sind am heutigen Tage fünf beamtete Mitglieder der deutsch-liberalen Fraktion im Volkstag aus ihrer Partei ausgetreten.[1] Dieser folgenschwere Schritt ist eine unmittelbare Reaktion auf den vom Senat und den Regierungsparteien vorgelegten Finanzsanierungsplan. Der Plan sieht eine auf vier Jahre befristete Kürzung der Beamtengehälter um vier bis sechzehn Prozent vor.[1] Durch die plötzlichen Fraktionsaustritte ist die erforderliche parlamentarische Mehrheit für die Vorlage akut gefährdet.[1] Beobachter in der Freien Stadt rechnen bereits mit dem sofortigen Rücktritt der amtierenden Koalitionsregierung. Diese setzt sich aus dem Zentrum, den Deutsch-Liberalen und den Sozialdemokraten zusammen.[1]

Währenddessen steht die Freie Stadt auch außenpolitisch und wirtschaftlich unter erheblichem Druck. Aus der Kölnischen Zeitung geht hervor, dass Pläne aus Völkerbundkreisen, Danzig zu einem Freihafen umzugestalten, auf den unnachgiebigen Widerstand Polens stoßen.[2] Die Warschauer Regierung sei unter keinen Umständen bereit, eine Abänderung des Versailler Vertrags zu ihren Ungunsten zu dulden.[2] Sie fordere stattdessen einen polnischen Freihafen unter maßgeblicher Führung des Hafenausschusses. Dies würde faktisch das Ende der staatlichen Selbstständigkeit Danzigs bedeuten.[2] Führende Danziger Wirtschaftskreise warnen daher nachdrücklich vor der Gefahr, dass Polen im Falle des Scheiterns seiner Pläne zu Maßnahmen des wirtschaftlichen Boykotts greifen und die Freie Stadt von ihrem Hinterland künstlich abschnüren könnte.[2] Es bleibt fraglich, ob der Einfluss des Völkerbundes ausreichen wird, um diese schwierige Lage zu klären und die Unabhängigkeit Danzigs zu sichern.[2]