Das Erscheinen der Stahlhelm-Zeitung, dem Hauptorgan des nationalistischen Frontsoldatenbundes, ist auf sechs Wochen behördlich untersagt worden.[1] Zudem schweben gegenwärtig Erwägungen über die Einleitung eines ordentlichen Strafverfahrens gegen die Verantwortlichen.[1] Ausgelöst wurde diese drastische Maßnahme durch einen Leitartikel, der nach Ansicht der Republikschutzbehörden eine offene Verherrlichung politischer Gewalttaten darstellt.[1]

Die Bundesleitung des Stahlhelms hat auf das Verbot umgehend mit einer scharfen Entschließung geantwortet.[2] Nach Angaben des Harburger Tageblatts erheben die organisierten Frontsoldaten schärfsten Einspruch gegen die Unterdrückung ihrer Zeitschrift.[2] In der Erklärung wird betont, dass die politische Ausrichtung der Zeitung keineswegs als Bedrohung des gegenwärtigen Staates anzusehen sei.[2] Vielmehr bewege man sich strikt in den durch Verfassung und Gesetz vorgezeichneten Bahnen.[2] Der Stahlhelm erblickt in dem Verbot den gezielten Versuch, der nationalen Opposition den Mund zu stopfen.[2] Besondere Kritik richtet sich dabei gegen den Magdeburger Oberpräsidenten Otto Hörsing, von dem das Verbot ausging.[2] Da Hörsing zugleich als Führer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold agiert, spricht ihm die Stahlhelm-Führung die notwendige sachliche Distanz ab.[2] Man verlangt von den zuständigen Stellen die umgehende Aufhebung der Verfügung.[2]

Dem Hamburger Echo zufolge wirft der inkriminierte Artikel jedoch ein bezeichnendes Licht auf die radikalen Tendenzen innerhalb des Blattes.[1] In dem Text wird eine sogenannte ‚Gemeinschaft der nationalistischen Märtyrer‘ beschworen.[1] Dabei nennt der Autor in einem Atemzug den im Ruhrgebiet erschossenen Albert Leo Schlageter sowie die Attentäter von Walther Rathenau und Matthias Erzberger.[1] Kern und Fischer, die Rathenau ermordeten und sich bei ihrer Flucht im Turm von Burg Saaleck der Festnahme durch Selbstmord entzogen, werden ebenso gepriesen wie die Erzberger-Mörder Tillesen und Schulz.[1] Der Artikel feiert diese Männer als die mutigsten Vorposten, die der Weltkrieg hinterlassen habe.[1] Ihre Taten, so heißt es in der Zeitung wörtlich, seien „mehr wert als das, was die Rechte in acht parlamentarischen Jahren fertig brachte“.[1]

Die republikanische Presse reagiert auf diese Veröffentlichungen mit äußerster Entrüstung. Das Hamburger Echo sieht in den Zeilen eine direkte Beihilfe zur „Politik des Meuchelmordes“ und ruft die regierungstreuen Kreise dazu auf, gegenüber derartigen Umtrieben unduldsam zu sein.[1] Erschwerend kommt hinzu: Ein weiteres Publikationsorgan des Bundes, die Berliner Standarte, forderte erst kürzlich die Beseitigung der Republik.[1] Dort hieß es unmissverständlich, der Weg zu Deutschlands Freiheit führe nur „über die Leiche der Weimarer Verfassung“.[1] Diese rhetorische Radikalisierung dürfte die Position des Stahlhelms in der anhaltenden Auseinandersetzung mit dem Staat erheblich belasten.[1]