Die Notwendigkeit, der reinen Bautätigkeit auch eine Erziehung zum praktischen und formschönen Wohnen folgen zu lassen, wird in der Hauptstadt zunehmend erkannt. Wie das Berliner Tageblatt berichtet, hat die Hausrat Gildenhall G.m.b.H. zu diesem Zweck zwei Kleinwohnungen in der neuerbauten Großsiedlung Britz eingerichtet.[1] Diese Musterwohnungen, die durch die Straßenbahnlinien 47, 48 und 52 erschlossen sind, stehen insbesondere heiratslustigen Paaren zur Besichtigung offen.[1]

Hinter dem Vorhaben steht der Gedanke, einfache und gediegene Zweckmäßigkeit in breite Volksschichten zu tragen und die Wohnräume vor dem überladenen Hausrat vergangener Epochen zu bewahren.[1] Bisher waren junge Haushalte bei knappen Mitteln oft auf Trödelläden angewiesen. Dort standen Möbelstücke aus den achtziger Jahren bereit, die den Kindern wenig Anreiz zur Vorstellungskraft boten.[1] Die Gesellschaft Gildenhall, als Unternehmung ohne Erwerbszweck von der Provinz Brandenburg sowie von der Kreditgemeinschaft gemeinnütziger Selbsthilfeorganisationen finanziert, wirkt hier mit dem Grundsatz sparsamer und sinnvoller Einrichtung entgegen.[1]

So präsentiert man in Britz unter anderem ein vorbildliches Schlafzimmer. Dieses umfasst neben einem niedrigen Doppelbett und zwei Nachttischen einen dreiteiligen Schrank, einen Waschtisch, einen Spiegel sowie zwei Stühle.[1] Laut dem Bericht besticht das Mobiliar durch edelste Einfachheit, bei der keine Linie zu viel ist.[1] Die Ausführung in Birke kostet 1150 Mark, während die Eichenvariante für 770 Mark angeboten wird.[1] Demnächst sollen diese Typen in schlichterem Material sogar für 400 bis 500 Mark erhältlich sein.[1]

Das Werk in Gildenhall bei Alt-Ruppin in der Mark Brandenburg, in dem Handwerksmeister ausgebildet werden, beschäftigt derzeit etwas mehr als hundert Arbeiter.[1] Das Projekt stellt — ähnlich wie parallele Bestrebungen in Frankfurt am Main oder in Sachsen — einen deutlichen Abmarsch von den Wegen des Manchestertums dar.[1] Den neuen Häusern soll so ein sozialpädagogischer Wert verliehen werden, der die aus der Wohnungsnot geborene Tugend des sachlichen Bauens konsequent bis in die Inneneinrichtung fortführt.[1]