Die sowjetische Landwirtschaft steht in der aktuellen Phase ihrer Entwicklung vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Wie die Prawda in einer ausführlichen Analyse berichtet, markiert das abgelaufene Jahr einen deutlichen Wendepunkt in der Geschichte der sowjetischen Kollektivwirtschaften.[1] Die bisher oft unzureichende Naturalwirtschaft weicht mit bemerkenswerter Geschwindigkeit einer marktorientierten Warenproduktion.[1] Dies zeigt sich besonders in der Förderung der Milchwirtschaft, der Saatgutgewinnung und dem Anbau von Spezialkulturen.[1] Die Moskauer Zeitung verweist darauf, dass die Kolchosen im laufenden Jahr bereits 17 Millionen Pud an verkäuflichem Getreide erzeugt haben.[1]
Der Hauptantrieb für diese kollektive Bewegung ist laut dem Parteiorgan die fortschreitende Mechanisierung, insbesondere der Einsatz von Traktoren.[1] Die Maschine spielt auf allen Etappen des Zusammenschlusses eine entscheidende Rolle.[1] Allerdings räumt die Prawda ein, dass die großen Perspektiven durch die mangelnde Maschinenversorgung stark eingeschränkt werden.[1] Der Erfolg hängt von dem Tempo der staatlichen Industrialisierung ab.[1] Gerade die ärmeren Bauern schließen sich zunehmend den Kolchosen an.[1] Sie suchen durch die Bündelung ihrer Kräfte einen Ausgleich für den fehlenden eigenen Bestand an lebendem oder totem Inventar.[1]
Das sowjetische Blatt betont, dass die anfänglichen Illusionen verschwunden seien und die Praxis die Richtigkeit der Parteilinie beweise.[1] Die Landarbeiter hätten sich im Alltag überzeugt, dass ihr Streben nach kollektivem Aufbau nicht unterdrückt werde.[1] Vielmehr erhalten sie durch die Überwindung der früheren Isolation eine wesentlich stärkere Basis.[1]
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Realität auf dem Lande oft hinter den Plänen zurück. Die Kolchosen stellen laut den Berichten der Prawda in der Masse noch eine organisatorisch schwache Genossenschaftsform dar.[1] So prägt eine Vielzahl "wilder" Kollektive das Bild, welche nicht in das offizielle System der landwirtschaftlichen Kooperationen eingegliedert sind.[1] Die Planung der großen Wirtschaftseinheiten erfolgt vielfach noch ungezielt und ohne solide Erfahrungswerte.[1] Die notwendige Verbindung zum umliegenden Bauerntum und zum Markt wird zwar theoretisch anerkannt, in der Praxis jedoch noch längst nicht überall verwirklicht.[1]